oppose othering!

Menschenrechtlich engagiertes Filmemachen im Team und auf Reisen

Gemeinsam mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) hat goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films 2016 das Projekt OPPOSE OTHERING! gestartet. 2017 geht es in die zweite Runde.


Junge FilmemacherInnen aus Deutschland und Mittel- und Osteuropa gehen in Zweier-Teams gemeinsam auf Reisen durch ihre Länder: Ziel ist es, sich mit ausgrenzenden Einstellungen gegenüber Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser, kultureller, ethnischer Herkunft und / oder sexueller Identität filmisch auseinanderzusetzen sowie Menschen und Projekte zu porträtieren, die Solidarität, Zivilcourage und Widerstand gegen Diskriminierung fördern.
Othering bezeichnet die Abwertung von „Anderen” durch eine Gruppe, die sich als „wir” im Gegensatz zu „ihnen“ definiert. Beispiele für Othering sind Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit. OPPOSE OTHERING! will auch weniger bekannte Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit thematisieren, wie beispielsweise die Kriminalisierung von Obdachlosen durch restriktive Gesetze.
OPPOSE OTHERING! richtet sich an Regie-Studierende und junge AbsolventenInnen in Deutschland und Mittel- und Osteuropa zwischen 18 und 35 Jahren. Es können sich Regietandems bewerben, in denen zwei NachwuchsfilmemacherInnen entweder aus Deutschland und Osteuropa oder aus zwei unterschiedlichen osteuropäischen Ländern eine gemeinsame Projektidee realisieren wollen. Auch Einzelbewerbungen sind möglich; goEast bemüht sich im Vorfeld, passende BewerberInnen zusammenzubringen.

/ Ausbildung und Vernetzung – Der vorbereitende OPPOSE OTHERING!-Workshop
Eine unabhängige Auswahlkommission nominiert zehn Tandems, die während des goEast Filmfestivals zu einem intensiven Training zusammenkommen: Mit erfahrenen FilmemacherInnen und ExpertInnen setzen sie sich mit Othering-Phänomenen auseinander, entwickeln ihre Projektidee weiter und präsentieren diese vor einer dreiköpfigen Fachjury.

/ Die Realisierung – Vom Pitch zur Produktion
Die Fachjury wählt in einem Pitch am letzten Workshoptag die fünf teilnehmenden Teams aus. Diese erhalten für ihren Dreh Produktionspreisgelder in Höhe von 3.000 Euro und haben bis zur goEast-Edition des darauffolgenden Jahres Zeit, Kurzfilme an zwei Drehorten zu realisieren. Das OPPOSE OTHERING!-Projektteam unterstützt die Tandems beratend, stellt Kontakte her und hilft bei organisatorischen Fragen.

/ Die Verbreitung – Projektwebsite und OPPOSE OTHERING!-Netzwerk
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der Aufbau eines OPPOSE OTHERING!-Netzwerks, das Partnerfestivals und Akteure für Menschenrechtsarbeit vereint.
In den nächsten Monaten werden wir die OPPOSE OTHERING!-Website launchen. Die entstandenen Kurzfilme werden hier ebenso präsentiert wie das Partnernetzwerk. So entsteht eine Plattform für Menschen und Organisationen, die sich mit Phänomenen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beschäftigen.

OPPOSE OTHERING! Jury und Projekte 2017

Eine dreiköpfige internationale Jury entschied in der goEast-Festivalwoche 2016 darüber, welche der zehn nominierten Projekte schließlich die Produktionspreisgelder erhalten sollten.

/ Predrag Azdejković (Serbien), Festivalleiter des Internationalen Queer Film Festival Merlinka, Autor, Chefredakteur von LGBT-Zeitschriften und -Portalen in Serbien, LGBT-Aktivist.

/ Andrea Kuhn (Deutschland), Filmwissenschaftlerin und Festivalleiterin des Nürnberger International Human Rights Film Festival.

/ Yulia Serdyukova (Ukraine), Filmemacherin, Produzentin und FAZ-Korrespondentin.

Das sind die fünf Projekte, die im Rahmen von OPPOSE OTHERING! mit Produktionspreisgeldern gefördert werden:

/ BELONGING – NOT BELONGING (Judith Beuth, Deutschland und Jasmin Brutus, Bosnien-Herzegowina): Zejd, ein taubstummer Junge aus Sarajevo, kann dank seiner mutigen Lehrerin am Unterricht in der örtlichen Grundschule teilnehmen. Die gesamte Klasse lernt Gebärdensprache und somit verändert sich nicht nur Zejds Leben sondern der Alltag aller.

/ JOŽKA. THE HERO’S JOURNEY (Hamze Bytyci, Deutschland und Milan Durňak, Slowakei): Titelheld Jožka kämpft mit viel Ausdauer und Kraft aber auch manchmal verzweifelt für eine angemessene Würdigung des ehemaligen Konzentrationslagers Lety in Tschechien. Wo früher Sinti und Roma ermordet wurden befindet sich seit Jahrzehnten eine Schweinezucht.

/ VOICES (Pierre-Yves Dalka, Deutschland und Ekaterina Izmestyeva, Russland): Mehrere Transgender-Personen in Moskau und Berlin werden bei Stimmworkshops begleitet. Eine Stimme zu haben erhält hier neue, konkrete und metaphorische Bedeutungen.

/ ANOTHER DAY (Julia Grauberger, Russland/Deutschland und Christian Möller, Deutschland): Die Geschichte einer jungen St. Petersburgerin, die eine Frau liebt, aber in einer Welt geprägt von Frauenhass und heteronormativem Druck kein Coming-Out wagt. Just an ihrem Geburtstag spitzt diese Situation sich zu.

/ FIELD TRIP (Anda Puşcaş, Rumänien und Dennis Stormer, Deutschland): Ein scheinbar findiger amerikanischer Geschäftsmann macht ein Romadorf in Rumänien zu einer Attraktion des Ethnotourismus und der Zigeunerromantik. Ist ein direkter Dialog mit den BewohnerInnen des Dorfes möglich?

Kontakt

Call for applications

Der Bewerbungsaufruf zu OPPOSE OTHERING! 2017 läuft bis zum 31.01.2017. Die Unterlagen finden Sie hier.