Wir trauern

Hans-Joachim Schlegel verstorben

Das Deutsche Filminstitut und goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films trauern um ihren Kollegen und Freund Hans-Joachim Schlegel, der am 30. Oktober in Berlin verstorben ist.

Der Filmhistoriker, -theoretiker und -kritiker Hans-Joachim Schlegel, geboren 1942 in Leipzig, war ein international geschätzter und geachteter Experte für das Kino Mittel- und Osteuropas. Neben seinen zahlreichen eigenen Aufsätzen und Büchern zu diesem Themenkomplex profilierte er sich auch als versierter Übersetzer von Filmliteratur aus dem Russischen, Slowakischen, Tschechischen und Polnischen. So etwa für Andrej Tarkowskijs berühmtes Buch "Die versiegelte Zeit. Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films", das 1985 erstmals auf Deutsch erschien, und die Schriften Sergej Eisensteins. 1999 zeichnete er als Herausgeber für den Band "Die subversive Kamera. Zur anderen Realität in mittel- und osteuropäischen Dokumentarfilmen" verantwortlich, der auch ins Tschechische und Russische übertragen wurde.

Hans-Joachim Schlegel nahm zahlreiche Lehraufträge an Universitäten und Filmhochschulen wahr. Darüber hinaus war er Delegierter der Berlinale für den osteuropäischen Film und Mitarbeiter zahlreicher internationaler Filmfestivals, etwa der Oberhausener Kurzfilmtage und der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Von der Filmhochschule Bratislava wurde Schlegel für seine langjährigen Verdienste die Ehrendoktorwürde verliehen.

Bei goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films war Hans-Joachim Schlegel an der Konzeption des ursprünglichen Festivalformats beteiligt, und von der Festivalgründung im Jahr 2001 an Mitglied der Auswahlkommission. Über viele Jahre hinweg wirkte er als engagierter und unverzichtbarer Ideengeber, und war den Festivalgründerinnen Claudia Dillmann und Swetlana Sikora in enger und freundschaftlicher Zusammenarbeit verbunden. Für goEast hat Hans-Joachim Schlegel auch das festivaleigene Symposium ins Leben gerufen und viele Jahre lang geleitet. 2002 veröffentlichte er dazu den Sammelband "Subversionen des Surrealen im mittel- und osteuropäischen Film".

Das Deutsche Filminstitut und goEast konnten sich sehr glücklich schätzen, einen der weltweit renommiertesten Experten für das Kino Mittel- und Osteuropas an ihrer Seite zu haben. Hans-Joachim Schlegel wird mit seiner Leidenschaft für dieses Kino und seinen streitbaren und bereichernden Diskussionsbeiträgen im Rahmen der Programmauswahl schmerzlich vermisst werden.