FESTIVALBLOG TAG 1

WIEDER EIN BESONDERER AUFTAKT – PERSÖNLICH UND EKSTATISCH

Sie war enorm gut gefüllt, die Caligari FilmBühne, zur Eröffnung der 17. Ausgabe von goEast. Neben den internationalen Gästen folgten VertreterInnen aus der Politik, des diplomatischen Corps, Freunde, Förderer und JournalistInnen dem Ruf nach Wiesbaden, um zusammen mit dem Team den Startschuss zu geben für ein engagiertes und vielfältiges Programm.

Die Reden des Abends waren neben der Würdigung des Festivals vor allem persönliche Danksagungen an die scheidende Direktorin des Deutschen Filminstituts und goEast-Festivalgründerin, Claudia Dillmann. Besonders die biografische Note der Festivalleiterin Gaby Babić, welche die Gründung von goEast – als Kind sogenannter GastarbeiterInnen und damals noch Studierende – als Initialzündung für einen Ort des kulturellen Austauschs auf Augenhöhe begriff und heute ein Festival leitet und mitgestaltet, welches Stellung bezieht. goEast, das ist mehr denn je Gelegenheit, um freiheitliche Positionen zu wagen und Gesellschaft emanzipatorisch und inklusiv zu gestalten.

Passend dazu kam der erste Filmausschnitt des Abends aus einer Weltpremiere der neuen Festivalsektion OPPOSE OTHERING!: das Tandemprojekt BELONGING, welches die Bemühungen von Eltern, LehrerInnen und MitschülerInnen begleitet, einen gehörlosen Jungen solidarisch am Schulunterricht teilhaben und ihm so sein grundlegendes Menschenrecht angedeihen zu lassen.
Szenen aus EINIGE INTERVIEWS ZU PERSÖNLICHEN FRAGEN von Lana Gogoberidze und TAGEBUCH FÜR MEINE KINDER von Márta Mészáros schworen dann auf das Symposium Feministisch wider Willen – Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa respektive die Hommage zur ungarischen Regie-Legende Mészáros ein. Abgerundet wurde das Ganze durch den humorvollen, aber bitterbösen Animationsfilm HAPPY END, denn der Fokus fällt dieses Jahr auch auf das Filmland Tschechien.

Eine neu gedichtete Version des Pet Shop Boys-Klassikers Go West entließ dann die geladenen Gäste zum Empfang ins Festivalzentrum, während im Saal das Licht wieder dunkel wurde. Der Eröffnungsfilm war auch gleichsam eine Arbeit aus dem Spielfilmwettbewerb: MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE des deutsch-georgischen Regieduos Nana und Simon kam beim Publikum glänzend an. Der Film stimmte mit der Geschichte um eine Frau, die beginnt radikal für sich einzustehen, ein auf ein Festival, das dieses Jahr stark im Zeichen der weiblichen Stimmen steht.

Neben etlichen Jurymitgliedern sind gestern auch schon die FilmemacherInnen des Projekts Young Filmmakers For Peace angereist, die sich – als Teil des politischen Anspruchs von goEast - über die kommenden Tage mit der Darstellbarkeit von Krieg und dem friedensstiftenden Potential des Filmemachens beschäftigen werden. Zusammen wurde noch bis tief in die Nacht ekstatisch getanzt und ein Geburtstagskind gebührend gefeiert. Heute darf sich auf den Beginn des Symposiums und der Hommage gefreut werden. Aber auch OPPOSE OTHERING! startet mit einem Vortrag und der Open Frame Award – der Wettbewerb für Experimentalfilm und Videokunst lädt zum Entdecken ein. Rock on!