Festivalblog Tag 2

EINE PLATTFORM FÜR AUSTAUSCH UND JUNGES FILMEMACHEN

Die Screenings zum Open Frame Award, dem Wettbewerb für Experimentalfilm und Videokunst, versammelten gestern junge FilmemacherInnen im Caligari, denen an neuen, ungewöhnlichen, inhaltlich und formal fordernden Ausdrucksmöglichkeiten gelegen ist. Sechs Arbeiten wurden ergänzt durch vier Installationen, die danach in der Vernissage im Museum Wiesbaden ihre Würdigung fanden. Davor gab es beim Stadtrundgang erste Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen. Kurz und dadurch intensiv konnten sich dann die TeilnehmerInnen von Young Filmmakers For Peace, von OPPOSE OTHERING! und des East-West Talent Lab beim Speed-Dating die brennendsten Fragen einander beantworten.

Der ein oder andere Impuls dafür kam bestimmt schon von den beiden Vorträgen der menschenrechtlich engagierten Sektion und Tandem-Film-Schmiede OPPOSE OTHERING!. Am Nachmittag führte Dr. Andrés Nader ein in grundlegende Fragen zur Auseinandersetzung mit dem „Othern". Im Anschluss nahm Radmila Mladenova die Diversität von Hautfarben als Ausgangspunkt, um ihre Untersuchungen zur eurozentristischen Filmgrammatik auszuführen. Die Figur des „Gypsy" funktioniert demnach in vielen Fällen als Projektionsfläche für gesellschaftliche Auslagerung und Sanktionierung und macht damit die betroffenen Menschen zum Opfer struktureller Ausgrenzung. Zwei vielschichtige, theoretische Grundlagen für die OO!-Tandemteams, um ihre geplanten Arbeiten gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kritisch zu schärfen.

Unser Gast zur Wettbewerbs-Doku DU WEISST NICHT, WIE SEHR ICH DICH LIEBE, Paweł Łoziński, führte beim Filmgespräch im Festivalzentrum seine Motivationen aus und konnte gemeinsam mit Adrian Sitaru, dem Regisseur des Thrillers FIXER, länderspezifische Positionen ausloten. Beim Q&A zu seinem Film GORAN erzählte Nevio Marasović, dass in der Bergregion in Kroatien, die auch „kleine Schweiz" genannt wird und das Setting für seinen turbulenten Genrefilm bietet, vorher noch kein Film gedreht wurde.
In der Masterclass mit der russischen Filmemacherin und Filmschulleiterin Marina Razbezhkina wurde im Projekt Young Filmmakers For Peace nicht nur theoretischer Input gegeben, sondern es standen auch kurze Shootings an. Am Abend war mit Lana Gogoberidze im Symposium ein weiterer Ehrengast zu Besuch und gab eine spannende Einführung zum Film BUBA ihrer Mutter Noutsa Gogoberidze.

Ob diese tatsächlich für den ersten feministischen Spielfilm verantwortlich war, beantworten heute Barbara Wurm, Dr. Christine Gölz und Kolleginnen bei ersten Vorträgen zum "Feminismus wider Willen", an die sich eine Podiumsdiskussion und weitere Screenings anschließen.
Gelegenheit genug also ins Gespräch zu kommen, historische Beispiele mit drängenden, politischen Anliegen zu verbinden und ein Zusammenleben zu gestalten, in dem Misogynie, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben, denn: „We're all born naked and the rest is drag."