HUMAN RIGHTS TAG UND VIEL MEHR

Festivalblog Tag 3

STARTSCHUSS FÜR DIE GOEAST TALENTSCHMIEDE

Das Nachwuchsprogramm East-West Talent Lab wird in diesem Jahr ausnahmsweise online durchgeführt. Junge Filmschaffende und Kreative aus Mittel- und Osteuropa kommen bei zahlreichen Events und Workshops mit Gleichgesinnten aus Deutschland zusammen. 

Die rund dreißig Teilnehmer/innen treffen auf Branchenvertreter/innen, können ihre Projektideen vorstellen, sich untereinander vernetzen und Partner/innen für Koproduktionen finden. Besondere Schwerpunkte in diesem Jahr sind Ethik im Umgang mit Laiendarsteller/innen und Protagonist/innen sowie die Produktion von Serien. Schließlich gibt es beim Projekt Market Pitch zwei mit 3.500 Euro dotierte Preise zu gewinnen, den goEast Development Award sowie das Renovabis-Recherchestipendium für ein Dokumentarfilmprojekt, das sich mit Menschenrechtsthematik beschäftigt. 

"Die Qualität der Projekte im East-West Talent Lab ist dieses Jahr herausragend. Ich bin sehr froh, das wir im Rahmen von goEast ein digitales Fortbildungsprogramm für den Nachwuchs entwickelt haben. Unsere Expert/innen werden aus u.a. Berlin, Brüssel, Bukarest, Köln, Prag und Tiflis zugeschaltet, und können so mit den Teilnehmer/innen von Aserbaidschan bis in die Ukraine kommunizieren. Wir haben hier alles sehr gut vorbereitet und freuen uns, dass es endlich losgeht", sagt Andrea Wink, Koordinatorin des East-West Talent Lab. 

Der Project Market Pitch ist öffentlich und findet am Montag, den 11.05. um 10 Uhr live via Zoom statt.

GOEAST ON DEMAND: HUMAN RIGHTS DAY: RADU JUDE / BARBORA BEREZŇÁKOVÁ / OLEG SENTSOV / MASHA NOVIKOVA

Weiter geht es bei goEast on Demand mit vier einzigartigen Filmen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Menschenrechte auseinander setzen. 

Radu Judes neuster Film UPPERCASE PRINT feierte bei der diesjährigen Berlinale Weltpremiere. Angesiedelt während der Diktatur Nicolae Ceaușescus stellt der Regisseur in dialektischer Montage seiner Inszenierung des Falls um den Jugendlichen Mugur Călinescu – der in den achtziger Jahren in das Fadenkreuz der Securitate geriet – skurril anmutendes Material des damaligen rumänischen Staatsfernsehens gegenüber. Entlarvt wird dadurch die Macht staatlicher Repression. 

NEVER HAPPENED schlug in der Slowakei hohe Wellen. Im Film begeben wir uns in die neunziger Jahre: Filmemacherin Barbora Berezňáková verhandelt die Verstrickungen des Geheimdienstes in die Entführung des Sohnes des ersten slowakischen Präsidenten Michal Kováč. Als die Beteiligung des Geheimdienstes immer deutlicher wird, wird der Fall vertuscht: Alles sei nie passiert. Doch die Filmemacherin tritt den Gegenbeweis an, findet Fotos, Archivmaterial, Orte des Geschehens und zentrale Figuren. 

Ganz anders ist Oleg Sentsovs Herangehensweise in seinem neuesten Film NUMBERS. Gezwungenermaßen –denn der Regisseur und Aktivist war selbst noch im Gefängnis, als der Film mit schriftlichen Regieanweisungen (und der Hilfe eines Ko-Regisseurs) umgesetzt wurde. Eine karge Betonkonstruktion wird hier für die simpel durchnummerierten Figuren zur Bühne und zum Schauplatz ihrer Rebellion. 

Die russische Regisseurin Masha Novikova kehrt zurück nach Tschetschenien und begleitet Ramzan Akhmadov, Tänzer und Leiter des Jugendtanzensembles DAYMOHK in dem gleichnamigen Dokumentarfilm, mit der Kamera. Nach dem zweiten Tschetschenienkrieg verkommt das Ensemble immer mehr zum Propagandavehikel. Intim wird hier anhand von Akhmadov gezeigt, wie sich die Grenzen künstlerischer Freiheit in Zeiten der Diktatur ausloten lassen.  Zu sehen bei goEast on Demand bis zum 11.05.

DER OPEN FRAME AWARD – DIE VIRTUELLE ZUKUNFT HAUTNAH ERLEBEN

Der Open Frame Award ist ein Ort für Experimente mit neuen Formen und Medienformaten bei goEast. Seit 2018 zeigt der Wettbewerb Virtual Reality und 360° Projekte und lebt eigentlich davon, wenn in der Festivalwoche Filmschaffende, VR-Künstler, Jurymitglieder und Publikum aufeinandertreffen, um sich gemeinsam auf eine Reise in virtuelle Realitäten zu begeben. Das ist in diesem Jahr nicht möglich. Trotzdem lassen wir uns von Corona nicht abschrecken und verlegen den ganzen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit VRrOOm kurzerhand online. 

goEast 2020 ist das erste Event auf der Welt, das Euch nicht nur 360°-Filme sondern nach einer Registrierung auch interaktive Projekte online zugänglich macht. Open Frame Award Kurator Georgy Molodtsov sowie der Gewinner des Open Frame Award im Jahr 2018, Denis Semionov, haben für den Anlass wahre Wunder bewirkt. So haben sie die sogenannte goEast VRooftop Lounge erschaffen und zudem die komplette Caligari FilmBühne nachgebaut. Ihr könnt all diese Orte in Virtual Reality erkunden. Dafür benötigt Ihr entweder ein VR-Headset oder einen PC. 

Über den Festivalzeitraum werden täglich zwischen 19:00 und 21:00 Uhr Führungen durch die virtuellen Veranstaltungsorte angeboten. Dort könnt Ihr mit eigenen Avataren das Team von goEast und außerdem die Nominierten des Open Frame Award treffen. Natürlich gibt es auch komplette Wettbewerbsbeiträge und Trailer zu sehen.

// Open Frame Award – Führungen, täglich, 19-21 Uhr auf unserer Website 

Eine Anleitung zum Eintauchen in die virtuellen Welten gibt es hier: Anleitung (auf Englisch). 

DIE ANARCHO SHORTS: DIE WELT STEHT KOPF – AUCH IN DIESER KURZFILM-KOLLEKTION

Auch heute wollen wir euch mit der Nase auf diese Kurzfilm-Trüffel stoßen! In unserem on Demand-Programm haben wir nicht nur fantastische Langfilme, sondern auch unsere herrlich unangepassten und innovativen ANARCHO SHORTS anzubieten. Und die sind nicht einfach platte Unterhaltung; wer genauer hinschaut erkennt klare politische Statements. 

Wie in HYMNS OF MUSCOVY, in dem Moskau filmisch auf den Kopf gestellt wird. Die lange Kamerafahrt in neuer Perspektive ist unterlegt mit einer Neubearbeitung der sowjetischen Nationalhymne. 

 

Und in dem Animationsfilm DEEP LOVE überfliegt ein Weißkopfseeadler eine ukrainische Stadt, legt dabei ein Ei, welches beim Einschlag explodiert und einen riesigen Fliegenpilz entstehen lässt. Und damit fängt es erst an! Was einem die Filmemacher*innen damit sagen wollen, kann sich jeder selbst überlegen. 

Bis zum 11.05. – denn bis dahin gibt es die ANARCHO SHORTS noch auf unserer on Demand-Seite zur Ausleihe.