blogEast

blogEast ist ein neues Projekt von goEast - Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films. Wir erklären uns hiermit solidarisch mit unseren Kollegen/innen und Freunden/innen aus den Mittel- und Osteuropäischen Ländern, die gerade, bedingt durch die Covid-19 Pandemie, mit großen Herausforderungen konfrontiert werden. In den kommenden Wochen werden hier Blogbeiträge veröffentlicht, welche sowohl filmische als auch politische und soziale Facetten der Situation beleuchten und die Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. blogEast wird durch das goEast Team betreut und ist Teil des vom Kulturfonds Frankfurt Rhein Main geförderten Rahmenprogramms Paneuropäisches Picknick.

Dokumentarfilmemacher/innen in Not

Vor sechs Jahren haben wir die Initiative B2B Doc gegründet, um Filmprojekte aus Belarus, Ukraine, Moldau, Georgien, Armenien und Russland in ihrer Produktion zu unterstützen.

B2B steht dabei für das Gebiet zwischen dem Baltikum und dem Black Sea (Schwarzmeer), in welchem wir aktiv sind. B2B lässt sich gleichzeitig auch mit "Business to Business" übersetzen. B2B Doc ist keine Produktionsfirma oder Förderanstalt. Wir sind ein Netzwerk, in dem Filmschaffende aus Ost und West einander auf Augenhöhe begegnen und sich untereinander bei der Koproduktion von Filmprojekten unterstützen. B2B Doc hilft Filmschaffenden, ihre Filmideen auf den internationalen Koproduktionsmarkt zu bringen. Leider ist die Filmindustrie in den jeweiligen Ländern in großen Teilen unterentwickelt.

Schon vor der Coronakrise konnten Filmemacher/innen sich meist nicht auf ordentliche Förderung durch den Staat verlassen. Oft gestaltet sich die Filmförderung schwierig - entweder sie ist sehr gering oder, euphemistisch ausgedrückt, "nicht transparent". In der heutigen Situation werden Fördergelder meist komplett gestrichen. Im Kulturbereich sparen Regierungen häufig als erstes Geld ein, ohne dabei Empfehlungen darüber auszusprechen, wie sich selbstständige Künstler/innen über Wasser halten können.

Unserer Meinung nach ist es unerlässlich, die Liquidität der unabhängigen Dokumentarfilmbranche sicher zu stellen und als soziales Werkzeug zu nutzen - besonders in Ländern mit sich noch entwickelnden (oder nicht vorhandenen) demokratischen Strukturen. Leider verfügt B2B Doc nicht über die finanziellen Ressourcen, um Filmemacher/innen direkt unterstützen zu können. Wir bleiben weiterhin aktiv, indem wir die Entwicklung von Filmstoffen vorantreiben und neue Filmtrailer herstellen. Des Weiteren bieten wir Pitching Workshops, Webinare und Beratungsstunden an. Aber um Produktionen finanziell zu unterstützen, reicht unser Budget nicht aus. Das hat mich dazu veranlasst, eine Spendenaktion zu starten, um Geld für die Filmschaffenden des B2B Netzwerks zu sammeln, die es am dringendsten benötigen.

Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen:

Die meisten Filmemacher/innen mit denen wir arbeiten sind es in Ermangelung einer gut funktionierenden Dokumentarfilmindustrie gewöhnt, ihre Produktionen allein mithilfe von Spendengeldern zu realisieren. Jedoch arbeitet B2B Doc aktiv darauf hin, diese Strukturen nachhaltig zu verändern. Wir wollen die Filmschaffenden dabei unterstützen, Teil der internationalen Filmindustrie zu werden und Gelder aus bestehenden Quellen zu akquirieren. Nicht betteln, sondern verkaufen. Allerdings wurde dieser Markt in der momentanen Situation vorerst eingefroren. Koproduktionsforen werden abgesagt oder verschoben. Pitches, bei denen neue Projekte vorgestellt werden können, finden nun online statt, was für unerfahreneren Nachwuchs eine Herausforderung darstellt und nicht immer die beste Option ist.

Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, an meine Kolleg/innen und Freund/innen auf Facebook zu appellieren und sie darum gebeten, an der folgenden Spendenaktion teilzunehmen. Die gesammelte Summe kommt ausgewählten Filmemacher/innen des B2B Doc – Netzwerkes zugute.

Wenn Sie Dokumentarfilmer in Not unterstützen möchten, finden sich unter folgendem Link.

Ich bin sehr gespannt auf vielversprechende Projekte, die durch Ihre Unterstützung ermöglicht werden.

Zeigen Sie sich solidarisch!

Alex Shiriaieff