blogEast

blogEast ist ein neues Projekt von goEast - Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films. Wir erklären uns hiermit solidarisch mit unseren Kollegen/innen und Freunden/innen aus den Mittel- und Osteuropäischen Ländern, die gerade, bedingt durch die Covid-19 Pandemie, mit großen Herausforderungen konfrontiert werden. In den kommenden Wochen werden hier Blogbeiträge veröffentlicht, welche sowohl filmische als auch politische und soziale Facetten der Situation beleuchten und die Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. blogEast wird durch das goEast Team betreut und ist Teil des vom Kulturfonds Frankfurt Rhein Main geförderten Rahmenprogramms Paneuropäisches Picknick.

Kosovodemie

COVID-19 kam mit leichter Verspätung nach Kosovo. Eine Weile hielten wir uns für etwas Besonderes, weil es überall um uns herum registrierte Fälle gab, nur nicht in Kosovo. Wir waren sogar froh, dass wir so abgeschottet sind und nicht visumfrei reisen können, weil uns das vermeintlich vor dem Virus bewahren würde. Aber auch wir sind nicht immun dagegen und am 13. März wurden die ersten beiden Fälle in Kosovo registriert. Unsere Regierung hatte bereits davor einzelne Maßnahmen getroffen, aber nun wurden auch die zwei Städte, aus denen die ersten beiden Infizierten kamen, komplett unter Quarantäne gestellt. Weitere Fälle wurden aus anderen Teilen Kosovos gemeldet und jetzt sind wir komplett im Lockdown.

Kosovo ist etwas Besonderes und unsere Politiker/innen sorgen dafür, dass wir uns in dieser Zeit nicht langweilen. Gerade als die Regierung dabei war, einen lokalen Maßnahmenplan für die Pandemie zu erarbeiten, verlor sie ein Misstrauensvotum gegen ihren Koalitionspartner. Das stürzte unser Land in ein politisches Chaos. Statt über die Bekämpfung des Virus zu debattieren, waren unsere Politiker/innen damit beschäftigt, einander durch den Dreck zu ziehen, während die Herausforderungen an das Gesundheitssystem mit jedem Tag größer wurden.

Daraufhin fingen die Bewohner/innen der Hauptstadt Prishtina an, auf ihren Balkonen auf Töpfe und Pfannen zu schlagen, um ihrem Ärger über die Politik Luft zu machen. Das hat mich sehr an einige Szenen aus meinem letzten Film COLD NOVEMBER erinnert. Haargenau dasselbe, bis auf den Anlass.

Während sich das Coronavirus rasant ausbreitet, bleiben wir Zuhause.
Wir werden uns langweilen, einsam fühlen, frustriert sein, wütend und gestresst. Menschen lassen sich nicht gerne aus ihrem Alltagstrott werfen.

Aber seien wir doch optimistisch und konzentrieren uns auf die Sonnenseite der Geschichte. Trotz allem ist das Leben in Quarantäne gar nicht so übel. Nutzen wir doch die Zeit zum Nachdenken und rücken wir näher zusammen. Lockdown, Social Distancing und Isolation sind nicht für die Ewigkeit. Und für die Zeit, in der es notwendig ist, daheim zu bleiben, finden die Leute Möglichkeiten, sich gute Laune zu machen und arrangieren sich mit der neuen Normalität.

Kunst ist zu einer Therapieform geworden. Sie hilft, unsere aktuellen Lebensfragen zu verhandeln und zu beantworten. Unsere lokalen Fernsehsender und Internetplattformen zeigen jetzt mehr Filme aus unserer Produktion, und sie kommen fantastisch an.

Passt auf Euch auf und schützt andere, denn sehr bald können wir einander auch wieder umarmen!

Ismet Sijarina