sektionen

Das goEast-Programm ist in insgesamt sieben Sektionen mit jeweils eigenem Profil aufgeteilt: Wettbewerb, Symposium, East-West Talent Lab, Porträt/Hommage (im jährlichen Wechsel), Beyond Belonging, Highlights und Specials.
Jede Sektion wird sorgfältig kuratiert, FestivalkorrespondentInnen und ExpertInnen unterstützen dabei das Programmteam. Die Beiträge des Wettbewerbs werden von einer Auswahlkommission nominiert. Die Sektionen schlagen die Brücke vom mittel- und osteuropäischen Autorenkino zum filmischen Experiment, vom aktuellen Genrekino zu filmhistorischen Wiederentdeckungen. Dokumentarfilme haben sich dabei neben den Spielfilmen ihren verdienten Platz erobert.

WETTBEWERB

Visionär, politisch oder skurril: Der Wettbewerb versammelt die bemerkenswertesten zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme der letzten beiden Produktionsjahre und gewährt Einblicke in die Filmvielfalt des mittel- und osteuropäischen Autorenkinos. Die 16 Beiträge konkurrieren um vier Preise, über deren Vergabe eine internationale Jury entscheidet: den Preis für den Besten Film (10.000 Euro), den Preis für die Beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden (7,500 Euro) und den Preis des Auswärtigen Amtes für kulturelle Vielfalt (4.000 Euro). Eine eigene Jury der FIPRESCI vergibt den Preis der Internationalen Filmkritik. goEast-Medienpartner 3sat macht darüber hinaus einem ausgewählten Film ein Ankaufangebot.

SYMPOSIUM

Als Festival im Festival präsentiert goEast jährlich ein Symposium zu einem filmhistorisch oder gesellschaftlich relevanten Thema, lädt ExpertInnen ein und bringt Filmschätze aus europäischen Archiven nach Wiesbaden. Die Sektion schlägt die Brücke vom Festivaltrubel zur wissenschaftlichen Forschung und bietet damit nicht zuletzt ProfessorInnen und DozentInnen Anreize, ihre Seminare direkt bei goEast beginnen zu lassen. Im Fokus der Symposien standen zuletzt Feminismus wider Willen (2017), der mittel- und osteuropäische Kriminalfilm (2016), Artur Brauners osteuropäische Koproduktionen (2015), die polnische und jugoslawische Nouvelle Vague (2014/2013), die Geschichte des russischen Studios Lenfilm (2012) und die filmische Reflexion des erstarkenden Rechtsextremismus in Osteuropa (2011).

EAST-WEST TALENT LAB

Das East-West Talent Lab konzentriert sich auf die Vernetzung junger Filmschaffender, KünstlerInnen und FilmstudentInnen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern und Deutschland. Es ist in vier Programmbereiche unterteilt: Screen, Meet, Learn und Present.

Screen: Im Wettbewerb für Experimentalfilm und Videokunst konkurrieren ausgewählte Beiträge um den mit 5.000 Euro dotierten Open Frame Award.

Meet: Bei zahlreichen Events haben die LabteilnehmerInnen Gelegenheit zum Austausch und Networking. Sie treffen auf BranchenvertreterInnen, können ihre Projektideen vorstellen und KoproduktionspartnerInnen finden.

Learn: Das Fortbildungsprogramm beinhaltet Podiumsdiskussionen, Vorträge, Workshops und Masterclasses.

Present: Die TeilnehmerInnen des East-West Talent Labs präsentieren vor Publikum und einer Fachjury ihre neuen Projektideen aus den Bereichen Kurzspiel- und Dokumentarfilm sowie Experimentalfilm und Videokunst. Die beste Projektidee wird mit dem goEast Development Award in Höhe von 3.500 Euro ausgezeichnet.

PORTRÄT

Das Porträt ist dieses Jahr dem russischen Regisseur Boris Khlebnikov gewidmet, der bereits mehrfach beim Festival zu Gast war. 2009 erhielt er bei goEast für seinen Film SUMASSHEDSHAYA POMOSHCH (Verrückte Rettung, 2009) den Preis für die beste Regie. Geboren 1972 in Moskau, studierte er am dortigen Institut für Kinematographie VGIK Filmtheorie. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer russischer Regisseur repräsentiert Boris Khlebnikov das Kino der Putin-Ära: In seinen frühen Werken ist das Umbruchschaos der neunziger Jahre noch deutlich zu spüren und die Veränderungen der russischen Gesellschaft gehen auch an den Hauptfiguren Khlebnikovs nicht spurlos vorüber. Meist sind es emotional unreife, ja sogar kindische Männer, die versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und keinen Halt finden. Khlebnikovs Filmsprache ist dabei zurückhaltend. Die funktionale Kamera konzentriert sich auf die Körpersprache der Darsteller* innen und auf kleine, oft absurde visuelle Details: ein kaputter, rosaroter Regenschirm, eine Flasche Wodka, die in einer leeren Toilettenschüssel aufbewahrt wird ... Fernab der Hauptstadtdekadenz präsentiert Khlebnikov das Leben mit leisem Humor und über die Jahre immer böser werdendem Sarkasmus. In KOKTEBEL (2003) oder SVOBODNOE PLAVANIE (Free Floating, 2005) sind die Hauptfiguren zwar auf sich selbst angewiesen, aber auch frei. In seinen jüngsten Filmen entpuppt die Bürokratie sich als schlimmster Feind des Menschen. Kann man in einer Welt wie dieser überhaupt erwachsen werden? Wir freuen uns, Boris Khlebnikov und Darsteller Aleksandr Yatsenko im April bei goEast zu begrüßen!

oppose othering!

Seit Jahren setzt goEast Zeichen: gegen Rassismus, Homophobie und Fremdenhass jeglicher Art – für Menschlichkeit und Annäherung. Nun mündet dieses Engagement in eine eigene Festivalsektion, OPPOSE OTHERING!, in der unverzichtbare, widerständige und berührende Filme zum Thema Menschenrechte gezeigt werden, die alle angehen. Die Ergebnisse des gleichnamigen Projekts, gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ), werden ebenfalls in der Sektion vorgestellt und feiern hier ihre Weltpremieren. Die OO! Tandems, Regieteams aus Deutschland, Mittel- und Osteuropa arbeiteten ein Jahr lang an Filmideen und –projekten, für die sie im Vorjahr bei goEast mit Produktionspreisgeldern ausgestattet wurden. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse und gleichzeitig kann man den zehn neu nominierten Teams schon einmal Glück wünschen: Toi, toi, toi ... auf menschenrechtlich engagiertes Filmemachen!

bioskop

Arthouse-Kino aus Osteuropa ist mittlerweile vielen ein Begriff, nicht zuletzt aufgrund der Achtungserfolge bei der Berlinale oder auch den Academy Awards. Mainstream-Filme und Publikumslieblinge aus der Region finden jedoch nur selten den Weg in deutsche Kinos. Nicht so bei goEast: In der Sektion Highlights versammeln sich die filmischen Höhepunkte, die die ZuschauerInnen in den Heimatländern im Kino oder auf Festivals begeisterten: vorzüglicher
Kinogenuss jenseits des Autorenfilms.

SPECIALS

Die besondere Sektion, ohne die kein Festival auskommt. Hier trifft im Rahmen der Schulfilmtage Pädagogik auf Festivalatmosphäre, neue Juwelen der Festivalwelt auf alte Schätze aus den Archiven, die Stadtgesellschaft auf Filmstars, aus aktuellem Anlass kurzfristig Eingeplantes auf traditionelle goEast-Formate. Und wenn die Lichter ausgehen im Kinosaal, trifft sich die Festival-Crowd bei Konzerten und Party.