Festivalblog Tag 6

Der große Tag vor dem Tag

Ladies und Gentlemen, das letzte Filmgespräch im goEast Salon 2018 ist um, die Talent-Lab Projekte sind „gepitcht", die Karten liegen auf dem Tisch. Tag 6 war dabei die beste Medizin gegen „Festivalendschmerz", denn was der goEast Nachwuchs heute zum besten gab, ist schon ein Vorgeschmack auf das Kino von morgen. Schwelgt mit dem goEast Festivalblog in einem aufregenden Tag 6 und freut euch mit uns auf das große Finale.

Project Pitching für den Development Award

Licht aus, Spot auf dich, ein Saal voller Menschen, eine kritische Expertenjury und fünf Minuten Zeit, um dein Projekt überzeugend rüberzubringen. Auf diesen Moment haben die Teilnehmer/innen der goEast Talentschmiede East-West Talent Lab hingefiebert und legten sich beim Project Market Pitch mächtig ins Zeug. Das Lab selbst bot mit Pitching Workshops, Festivaltraining, Fallstudien und Masterclass beste Vorbereitung dazu.

Eine Lobeshymne auf einen polnischen Ausnahmepolitiker, ukrainisches Coming-of-Age oder die Abrechnung mit der Armee als männlichem Sozialisationsort:

Mit Kurzvorträgen, Bild- und Videomaterial, auch mal mit Gesangseinlage, gaben die 14 Teilnehmer/innen Einblick in ihre geplanten Projekte und stellten sich den intensiven Nachfragen der Jury.

Die Projekte aus 11 Ländern decken die ganze Bandbreite von Dokumentar- und Kurzspielfilm über Animation bis zu experimentellen und Virtual-Reality-Formaten ab, und haben je die Chance auf den mit 3.500 Euro dotierten goEast Development Award, ein oft entscheidender Schritt in Richtung Realisierung.

Anders und dazugehörig

Bei OPPOSE OTHERING! sorgte die facetteneiche Diskussion „How To: Withstand Political Pressure" mit Zhanna Issabayeva, Blerta Zeqiri, Agnieszka Rostropowicz-Rutkowska und Georgy Molodtsov für Begeisterung und Erfahrungsaustausch zu gesellschaftlichem und politischem Druck beim Filmemachen. „Was rote Linien sind, merkt man erst, wenn man sie überschreitet. Nicht man selbst, sondern die rote Linie bewegt sich ständig", sagte Molodtsov.

Das Double Feature FILM FOR CARLOS und SONGS OF ABDUL drehte sich um feindselige Schwiegermütter und einen Tadschiken in der russischen Mehrheitsgesellschaft. Wunden, Leerstellen, und der eigene Platz in der Familie waren die Themen der mit Spannung erwarteten beiden weiteren Weltpremieren BOND und MY HOME VIDEO im Programm von OPPOSE OTHERING! Die Filmvorführungen trafen auf ein engagiertes und tief berührtes Publikum im goEast Festivalzentrum.

„Solange noch Streit herrscht, sind wir nicht verloren“

Zum letzten goEast Salon für 2018 waren die Regisseurin von FALLING, Marina Stepanska, und AURORA-BOREALIS-Hauptdarstellerin Eva Prosek (Bild) zu Gast. Die Motive Exil und Besatzung warfen Fragen nach nationaler Zuschreibung und Zugehörigkeit auf – dabei ging es Marina Stepanska gerade nicht darum, ihre Liebesgeschichte in den Dienst einer politischen Erzählung zu stellen, sondern in der Ukraine nach dem Majdan von Leben und Lieben individueller Menschen zu erzählen.

Der starke Dokumentarfilm THE OTHER SIDE OF EVERYTHING über die serbische Widerständlerin Srbijanka Turajlić war gestern ebenfalls erstmals in Deutschland zu sehen. „Was in der Ukraine unser größtes Problem ist – dass wir keinen politischen Plan haben –", verglich Marina Stepanska die Situation mit dem serbischen Umsturz, „scheint mir zur Zeit sogar unsere letzte Hoffnung. Solange noch Streit über das 'wohin' herrscht, sind wir nicht verloren."

Wer macht das Rennen?

Alle 16 Beiträge im Spiel- und Dokumentarfilm hoffen heute um 19 Uhr auf die hochdotierten Preise für den besten Film, die beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden, des Auswärtigen Amtes für kulturelle Vielfalt und der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis). Eine eigene Jury zeichnet außerdem eines von acht Virtual-Reality-Werken mit dem Open Frame Award aus.

Während die Spannung ins Unerträgliche steigt, ist eines schonmal sicher: Mittel- und Osteuropa gewinnt!