Pressemitteilung

goEast goes on: Der mittel- und osteuropäische Film kehrt ins Kino zurück // Vor Ort auf der großen Leinwand: goEast 2020 holt Festivalsektionen im Kino des DFF in Frankfurt nach // Symposium "Filmerbe der Umbruchszeit" vom 24. bis 27. Juli 2020 beleuchtet eine turbulente Epoche in filmischen Bildern // Das goEast PORTRÄT bringt das Werk des rumänischen Regisseurs Radu Jude auf die Kinoleinwand

Wiesbaden/Frankfurt, 17. Juli 2020

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films kehrt zurück an den Ort, an den es gehört: ins Kino. Am 2. Juli 2020 konnten die Kinosäle bundesweit wieder öffnen und schufen die Voraussetzungen dafür, Film wieder an seinem angestammten Platz zu erleben. Nachdem goEast das 20. Festivaljubiläum vom 5. bis 11. Mai 2020 schweren Herzens On Demand und Online präsentiert hat, folgt nun der nächste Schritt im hybriden Festivalprogramm. goEast präsentiert über die kommenden Monate ausgewählte Festivalsektionen im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum in Frankfurt am Main.

Den Anfang macht von Freitag, 24., bis Montag, 27. Juli, das Symposium "Filmerbe der Umbruchszeit. Mittel- und Osteuropa 1985–1999". Das jüngere Filmerbe rückt in den Fokus bei goEast und stellt inhaltlich wie institutionell bedeutsame Themen in den Vordergrund: "Den gesellschaftlichen Umbruch der Wendezeit haben viele Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa in ihren Werken thematisiert. Es entstanden experimentelle und wilde Filme, es wurden aber auch gesellschaftliche und historische Tabus gebrochen", stellt Festivalleiterin Heleen Gerritsen fest. "Auf der anderen Seite führten die politischen Umwälzungen dazu, dass Filmförderungen wegfielen, ganze Filmstudios insolvent wurden, Filmkopien verloren gingen oder Rechtefragen bis heute ungeklärt sind." Zahlreiche Fragen zur Bewahrung und Verfügbarkeit dieser höchst bedeutsamen Werke sind bisher ungeklärt. Filmwissenschaftler/innen, Filmschaffende und Archivar/innen gehen darum in Vorträgen und Diskussionsrunden auf diese ungeklärten Fragen ein. Die Kuratorinnen, Prof. Dr. Schamma Schahadat (Universität Tübingen) und Dr. Margarete Wach haben ein umfassendes Programm zusammengestellt. Ein vielfältiges Filmprogramm aus digitalisierten Restaurationen sowie selten gezeigten 35mm-Kopien begleitet die Vorträge. Das traditionell historisch und wissenschaftlich aufbereitete Thema dieser Sektion bringt Fach- und Kinopublikum so in engen Austausch miteinander. "Die Verlegung des Symposiums in das Kino des DFF in Frankfurt ermöglicht es uns, das geplante Programm nahezu ohne Verluste nachzuholen", sagt Festivalleiterin Heleen Gerritsen.

Das Filmprogramm gestaltet sich dabei außerordentlich vielfältig. Thematisch auf den Punkt bringend eröffnet DER BLICK DES ODYSSEUS / TO VLEMMA TOU ODYSSEA (1995) von Theo Angelopoulos das Symposium, in dem Harvey Keitel auf der Suche nach verschollenen Filmrollen durch den Balkan in den 90er-Jahren irrt. Ildikó Enyedi – Jurypräsidentin bei goEast 2018 – nimmt uns mit MEIN 20. JAHRHUNDERT / AZ ÉN XX. SZÁZADOM (1989) auf eine märchenhafte Reise in exzentrischen Schwarz-Weiß-Bildern in das vergangene Jahrhundert mit. Zudem sind die ukrainischen Filme DER ZERFALL / ROZPAD (1990) von Myhailo Bielikov sowie HUNGER 33 / HOLOD 33 (1991) von Oles Yanchuk als Weltpremieren in digitaler Fassung zu sehen. Beide beschäftigen sich mit bis dahin tabuisierten Themen: Der eine mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und der andere mit dem Holodomor, der Hungersnot in Ukraine 1932–33. Das Kurzfilmprogramm zum Parallelen Kino, einer subversiven Avantgardebewegung, die sich in den letzten Jahren der Sowjetunion formierte, steht Zeuge für formale Experimente jener Zeit. Das komplette Filmprogramm entnehmen Sie unserer Homepage: www.filmfestival-goeast.de, bzw. www.dff.film.

Unterstützung erhält das goEast Symposium durch den Technikpartner Videmic. Die Vorträge, Diskussionsrunden und Filmgespräche werden live aufgezeichnet und über die Videmic App direkt aufs Smartphone übertragen.

Das Symposium "Filmerbe der Umbruchszeit. Mittel- und Osteuropa 1985–1999" wird gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Vom 4.-26. August 2020 ermöglicht goEast mit dem PORTRÄT seinem Kinopublikum einen Einblick in das Schaffen des rumänischen Ausnahmeregisseurs Radu Jude. Im Mai hat dieser in einem umfangreichen Werkstattgespräch bei goEast Online bereits die Hintergründe seiner persönlichen filmischen Handschrift erläutert und über die Kunst des hybriden Spiels mit Mitteln aus Spiel- und Dokumentarfilm sowie aus dem Theater gesprochen. Dabei lässt Radu Jude zusehends die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Mit ungeheurem Scharfsinn erfasst er sowohl gesellschaftliche Missstände, die politische Lage der Gegenwart als auch die dunkelsten Ecken der rumänischen Vergangenheit.

Das PORTRÄT umfasst zwölf Filme, darunter sechs Kurzfilme und reicht vom frühen Schaffen Judes bis in die unmittelbare Gegenwart. Unter den Langfilmen findet sich mit UPPERCASE PRINT / TIPOGRAFIC MAJUSCUL (2020) auch sein aktuellster Film, der 2020 auf der Berlinale Premiere feierte. Das Kino des DFF in Frankfurt bietet die Gelegenheit, diese umfassende Retrospektive im Kino zu erleben. Die Filmreihe wird vom Rumänischen Kulturinstitut unterstützt.

Alle Veranstaltungen finden gemäß der aktuellen Verordnungen der zuständigen Gesundheitsämter und der Hygienekonzepte des DFF statt. Aktuelle Informationen finden Sie online unter www.filmfestival-goEast.de sowie www.dff.film.

Fotos finden Sie unter: Downloads

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer sind die Landeshauptstadt Wiesbaden, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Renovabis, die BHF BANK Stiftung, die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, das Auswärtige Amt, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Medienpartner sind u.a. 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.