Pressemitteilung

goEast setzt alles daran, damit das Festival trotz Covid-19 stattfindet - online oder offline // Neo-Noir-Thriller THE SERVANTS von Ivan Ostrochovský eröffnet goEast // Vom Kollektiv zum Individuum – Die Dokumentarfilme im Wettbewerb // 75 Jahre Kriegsende: THE PAINTED BIRD und Masterclass mit Václav Marhoul + PERSIAN LESSONS in der Matinee

Wiesbaden/Frankfurt, 23. März 2020

goEast plant weiter für den Fall, dass Reiseeinschränkungen und Veranstaltungsverbote in Europa im Mai wieder gelockert werden und das Festival vom 5. bis 11. Mai 2020 stattfinden kann. Parallel prüfen die Festivalmacher/innen alternative Angebote.
Das 20. Festival des mittel- und osteuropäischen Films startet, wenn alles nach Plan verläuft, radikal und in Schwarz-Weiß. Eine düstere Autofahrt zieht die Zuschauer in den Neo-Noir-Thriller THE SERVANTS von Ivan Ostrochovský nach einem Drehbuch von IDA-Autorin Rebecca Lenkiewicz. Kaum findet die Fahrt ihr Ende, wird dem Publikum die Leiche eines katholischen Priesters präsentiert. Die Kirche sieht sich im Jahr 1980 in der Tschechoslowakei zerrissen zwischen den Anforderungen der Religionsgemeinschaft und politischen Machtspielen. Nach der Wahl des antikommunistischen Karol Wojtyła zum Papst, 1978, orientierten sich immer mehr Priester gen Westen. Dem Regime missfallen Abtrünnige und es schlägt hart zurück.
Ivan Ostrochovský setzt mit seinen durchkomponierten Bildern ein kompromissloses Statement für die Trennung von Kirche und Staat.

Vom Kollektiv zum Individuum – Die Dokumentarfilme im Wettbewerb

Die Dokumentarfilme im Wettbewerb von goEast beschreiben eine Reise durch Mittel- und Osteuropa, vom kommunistischen Kollektiv bis zum individuellen Verweilen in Vergangenheit und Gegenwart. Sergej Loznitsa reflektiert in STATE FUNERAL anhand von einmaligem Archivmaterial der großen Trauerfeier für Joseph Stalin die Geschichte der Sowjetunion und lädt zum Nachdenken über die groteske Scharade ein. In IMMORTAL von Regisseurin Ksenia Okhapkina unterwerfen sich ehemalige Häftlinge einer strengen Gesellschaftsordnung und spiegeln so das kollektive Schicksal der Sowjetbürger. Ein humoristisches Abbild der Belegschaft eines Heizkraftwerks zeigt Nadia Parfans mit HEAT SINGERS – in der Ukraine wurde der Film überraschend zum Box Office Hit. Die Protagonist/innen kämpfen in der Stadt Ivano-Frankiyvsk mit einem völlig maroden Fernheiznetz. Die alltäglichen Licht- und Schattenseiten im Leben von Menschen mit Behinderung porträtiert Radovan Sibrts humorvoll in TWO ROADS, einem Dokumentarfilm über die tschechische Band „The Tap Tap". Wo sich der Mensch keine eigenen Grenzen auferlegt, herrscht die Natur. So erzählt FROTH von Ilya Povolotskiy auf empathische Art und Weise über Generationenkonflikte am Ufer der Barentssee. In LESSONS OF LOVE von Małgorzata Goliszewska und Katarzyna Mateja stellt sich die 69-jährige Jola am Ende einer gewalttätigen Ehe existenziellen Fragen und entdeckt die Liebe neu.

75 Jahre Kriegsende

THE PAINTED BIRD – Masterclass mit Václav Marhoul

Ereignisse wie die rassistisch motivierte Gewalttat in Hanau zeigen, dass rechtsextremer Hass auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs allgegenwärtig ist. In seinem fast dreistündigen Schwarzweiß-Epos THE PAINTED BIRD verfilmte Václav Marhoul den gleichnamigen Kriegsroman von Jerzy Kosiński und macht das Thema Fremdenhass greifbar. Während des Zweiten Weltkriegs zieht ein minderjähriger unbegleiteter Flüchtling in Mitteleuropa von Dorf zu Dorf und wird überall mit Grausamkeit konfrontiert. Bei seiner Weltpremiere in Venedig wurde THE PAINTED BIRD wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung kontrovers diskutiert. In Tschechien räumte der Film derweil zehn Czech Lions ab. Václav Marhoul (Prag, 1960) ist als Schauspieler, Regisseur und Produzent tätig. Für THE PAINTED BIRD hat er nicht nur große Namen wie Stellan Skarsgård, Harvey Keitel, Udo Kier oder Barry Pepper vor der Kamera versammelt, sondern in der siebenjährigen Produktionszeit des Films auch noch eine „interslawische" Kunstsprache für den Cast erfunden. In einer Masterclass berichtet Marhoul von der Produktionsgeschichte des Films sowie über Themen wie Gewalt auf der Leinwand, künstlerische Kompromisslosigkeit, Europäische Einheit und seine Faszination für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

PERSIAN LESSONS in der Matinee

Eine ganz andere Perspektive auf 75 Jahre Kriegsende bietet indessen PERSIAN LESSONS mit Lars Eidinger in einer Hauptrolle. Auch hier wird eine Sprache erfunden, diesmal aber als Teil der Handlung: 1942 gibt sich der junge Belgier Gilles als Perser aus und entgeht somit knapp der Exekution durch die SS. Im Konzentrationslager wird deutlich warum: Offizier Koch möchte Farsi lernen, um nach dem Krieg in Teheran ein Restaurant zu eröffnen. Da kommt Gilles ihm gelegen. Dieser erfindet daraufhin sein eigenes Farsi – ein ernstes Spiel, das stets aufzufliegen droht. Basierend auf der Erzählung „Erfindung einer Sprache" von Wolfgang Kohlhaase inszeniert der russische Regisseur Vadim Perelman ein intensives Drama, das seine Kraft aus dem nuancierten Schauspiel der beiden Hauptdarsteller zieht, Lars Eidinger als Offizier Koch und Nahuel Pérez Biscayart als Gilles.

 

Fotos finden Sie unter: www.filmfestival-goeast.de/de/presse/downloads.php

Das komplette Programm für die 20. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird Mitte April veröffentlicht.