Ada Solomon im goEast Porträt // Kaleidoskop: goKids, Archivvorstellungen, Matinee: BETTER GO MAD IN THE WILD // Wettbewerbsfilme // Akkreditierungsaufruf // goEast-Pressekonferenz am Dienstag, 14. April, 11 Uhr

Wiesbaden/Frankfurt, 24. März 2026

Ada Solomon im goEast Porträt

Jedes Jahr stellt goEast das Œuvre namhafter osteuropäischer Filmschaffender bei einer umfassenden Retrospektive in den Mittelpunkt. Abwechselnd widmet das Festival sich dabei Altmeister*innen und Filmschaffenden, die sich mitten in ihrer Karriere befinden. Nach der Hommage an Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio im vergangenen Jahr, widmet sich das Porträt 2026 der rumänischen Produzentin Ada Solomon, womit sich im Fokus des Festivals eine Linie starker Frauen aus Mittel- und Osteuropa fortsetzt.

Ada Solomon ist eine der umtriebigsten Produzent*innen nicht nur des mittleren und östlichen, sondern des gesamten Europas. Ihre Filmografie umfasst mittlerweile mehr als 90 Filme, die sie (mit-)produziert hat. Mit ihrem Credo, sich nicht in die künstlerische Vision der Regisseur*innen, mit denen sie zusammenarbeitet, einzumischen, hat sie Erfolg. Sie förderte internationale Karrieren wie die von Radu Jude oder Ivana Mladenović. Das Spektrum, das sie dabei abdeckt, ist breit: Kurz- und Langfilme, Spiel- und Dokumentarfilme, sowie Nachwuchstalente und etablierte Regiegrößen.

Neben ihrer Tätigkeit als Produzentin ist sie in der Filmpolitik tätig, so war sie unter anderem Präsidentin des EWA European Women’s Audiovisual Network, ist Gründungsmitglied der Alliance of Romanian Producers und seit Dezember 2025 amtierende Vorstandsvorsitzende der Europäischen Filmakademie.

Geschichte und Kunst sind zwei Themen, zu denen Solomon immer wieder zurückkehrt. goEast zeigt 2026 eine große Bandbreite der von Ada Solomon produzierten Filme.

Dazu zählt Călin Peter Netzers MUTTER & SOHN (ROU 2013), der vom größten Schmerz der wohlhabenden und gesellschaftlich aktiven Cornelia erzählt, nämlich dem schlechten Verhältnis zu ihrem erwachsenen Sohn Barbu. Dem Regisseur ist mit diesem im semidokumentarischen Stil gedrehten Drama ein zutiefst menschlicher und gesellschaftskritischer Film gelungen.

Das Wiesbadener Publikum bekommt auch THE DISTANCE BETWEEN ME AND ME (ROU, USA 2018) von Dana Bunescu und Mona Nicoară zu sehen, der die Geschichte der rumänisch-jüdischen Avantgarde-Dichterin, Musikerin und bildenden Künstlerin Nina Cassian (1924 – 2014) wiedergibt, berühmt als Femme fatale, exzessive Trinkerin und leidenschaftliche Raucherin. In den 1940er Jahren flieht Cassian vor dem Faschismus in den kommunistischen Untergrund, gerät in die Nähe des stalinistischen Regimes und später mit dem Ceaușescu-Staat in Konflikt. 1985 landet sie im unfreiwilligen Exil in New York.

Alexandru Solomons COLD WAVES (ROU, DEU, LUX 2007) nimmt das Publikum mit in die Vergangenheit, als Radio Free Europe, das von den USA finanziert wurde, bis in die 1990er Jahre von München aus westliche Informationen in den Osten sendete. Der Regisseur ist der Ehemann von Ada Solomon,

Eine surreale Wunderkiste ist Sebastian Mihăilescus Debütfilm MAMMALIA (ROU, POL, DEU 2023). Der Film ist voller Überraschungen, die er in atemberaubenden, traumhaften, gemäldegleichen Bildern voller Komik  inszeniert.

Mit der Sommerkomödie MIR IST ES EGAL, WENN WIR ALS BARBAREN IN DIE GESCHICHTE EINGEHEN (ROU, BGR, DEU, FRA, CZE 2018) gelingt es dem in Wiesbaden gut bekannten Radu Jude meisterhaft und schwerelos, über das Gedenken an den Holocaust zu sinnieren – mit der gewohnten Bissigkeit.

Gezeigt wird auch das Kurzfilmprogramm KONTROLLVERLUST, in dem die Männlichkeit erkundet wird.  MARILENA FROM P7, der die erste, traumatische Liebe eines Teenagers behandelt, war einer der ersten von Solomon produzierten Filme. Regisseur Nemescu starb kurz nach dem Film bei einem Autounfall und Ada Solomon widmete ihm ein Filmfestival.

Im Rahmen eines Werkstattgesprächs im Heimathafen im Alten Gericht am Sonntag, 26. April,um 16 Uhr bekommt das interessierte Publikum die Gelegenheit, in das vielseitige Schaffen Ada Solomons einzutauchen und den Beitrag der Produzentin zu den einzelnen Filmen und ihre persönliche Herangehensweise an das Filmemachen näher kennenzulernen. Moderiert wird das Gespräch vom rumänischen Kurator, Filmwissenschaftler und -kritiker Călin Boto.

Kaleidoskop: goKids

2026 nimmt goEast verstärkt Familien, Kinder und Jugendliche in den Blick. Mehrere Filme im Programm richten sich auch an diese Zielgruppe. Die folgenden beiden Filme könnten das  junge Publikum ganz besonders interessieren:

SCHON LANGE KEIN FRÜHLING – MEIN VATER, RUMÄNIEN UND ICH (DEU, ROU 2025) der Wiesbadener Regisseurin Alexandra Bidian beschäftigt sich mit ihrer Familiengeschichte. Wer war der Mann, der so viel schrieb und doch so vieles verschwieg? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester reist Bidian nach Rumänien, in das Heimatland ihres gestorbenen Vaters, der als Dissident aus dem kommunistischen Rumänien nach Deutschland kam. Der Film wird in Kooperation mit dem Medienzentrum Wiesbaden vorgeführt und ist am Donnerstag, 23. April, um 10 Uhr in der Caligari FilmBühne zu sehen. Die Regisseurin ist zu Gast. Empfohlen für Jugendliche ab der 10. Klasse. Schulklassen können über die Seite des Medienzentrums Wiesbaden buchen, Einzelpersonen können Karten an der Kasse oder vorab im Online-Ticketshop erhalten.

Der zweite Beitrag heißt BLUE EYES AND COLORFUL MY DRESS (DEU 2020) von der bulgarischen Regisseurin Polina Gumiela. „Ich laufe durch die Pfützen! Ich laufe durch die Pfützen!“, jubelt Zhana. Mit leuchtenden Augen stapft die Dreijährige los, voller Begeisterung über die kleinen Wunder des Alltags. Ihre Mutter und Regisseurin begleitet sie dabei mit der Kamera. Mit ihrer neugierigen Art findet Zhana überall Anschluss und hat durchaus auch mal eine freche Antwort parat. Empfohlen ab dem Vorschulalter. FSK wurde für das Festival beantragt.

Archivvorstellungen

In der alljährlichen Archivvorstellung zeigt goEast 2026 gleich zwei Filme. Sergej Paradjanovs SCHATTEN VERGESSENER AHNEN (auch bekannt unter dem Titel FEUERPFERDE) (UkrSSR 1964) stammt aus der DFF-Schatzkiste und erzählt die dramatische Liebesgeschichte von Ivan und Marička im Milieu karpatischer Bergbauern und Schafzüchter. Paradjanov drehte das Werk in der Ukraine und begründete damit seinen internationalen Ruf. Statt mit linearer Handlung arbeitet er mit Leitmotiven, Farben, Klängen und Musik und formt daraus eine poetische Bild- und Tonkomposition von suggestiver, nahezu trancehafter Kraft. Gezeigt wird eine 35mm-Kopie mit deutschen Untertiteln aus dem DFF-Archiv.

COLOURFUL DREAMS (ESSR 1974) des Regieduos Virve Aruoja und Jaan Tooming nimmt das Publikum mit aufs Land, wo die kleine Kati den Sommer bei ihrer Großmutter verbringt. Die Sonne wird herbeigezaubert, Blumenfelder öffnen sich zu ganzen Universen, ein Kätzchen gibt den Takt an. Realität und Magie gleiten mühelos ineinander, getragen von schillernden Farben, verspielter Kamera und einem Rhythmus wie auf dem Kettenkarussell. Der hypnotische Soundtrack stammt von Arvo Pärt. Der Film feiert Deutschlandpremiere in der restaurierten Fassung.

Matinee: BETTER GO MAD IN THE WILD am Sonntag, 26. April

Tschechien ist 2026 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Aus diesem Anlass erscheinen zahlreiche tschechische Bücher in deutscher Übersetzung, darunter „Raději zešílet v divočině“ von Aleš Palán. Der vielfach ausgezeichnete Gesprächsband versammelt von Jan Šibík fotografierte Porträts von Einsiedler*innen im Böhmerwald und erkundet ihre Entscheidung, sich aus der Welt zurückzuziehen.

Zwei der Protagonist*innen des Buchs sind die liebenswerten Zwillingsbrüder Klišík, die Regisseur Miro Remo, inspiriert duch Paláns Buch, sechs Jahre lang im Böhmerwald mit der Kamera begleitet hat. Am Sonntag, 26. April, wird in der Caligari FilmBühne sein Film BETTER GO MAD IN THE WILD (CZE, SVK 2025) als Teil des Programms zum tschechischen Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse vorgeführt und aus der bald erscheinenden deutschen Übersetzung des Gesprächsbands gelesen.

Vogelgezwitscher im tiefsten Wald: Abgeschieden auf einem Bauernhof in der Wildnis führen die Zwillinge Ondřej und František Klišík ein eigenwilliges, ebenso kauziges wie komisches Leben. František, Poet und einstiger Politaktivist, dürstet es nach neuen Abenteuern, während Ondřej lieber mit einer Zigarette in der Hand die Stille genießt. Zwischen Feldarbeit, Schabernack und philosophischen Gesprächen schlüpft sogar ein Rind in die Rolle des Erzählers. Der Film gewann den Großen Preis beim Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary.

Begleitend zum Film finden ein Filmgespräch mit Regisseur Miro Remo und eine Lesung aus dem Buch von Aleš Palán statt. Die Veranstaltung gibt einen Vorgeschmack auf die im Herbst erscheinende deutsche Ausgabe im Mitteldeutschen Verlag. Die Moderation übernimmt Dr. Christina Frankenberg vom Tschechischen Zentrum Berlin.

Wettbewerbsfilme

Drei weitere Titel aus dem Wettbewerbsprogramm dürfen bekannt gegeben werden.

Das nomadische Liebesdrama BLACK RED YELLOW (KGZ 2025) des in Wiesbaden bekannten und beliebten Regisseurs Aktan Arym Kubat feiert Europapremiere bei goEast. Die Kunst des Teppichwebens hat in Kirgisistan eine lange Geschichte und Teppiche sind ein fester Bestandteil der Alltagskultur. Der Film folgt der begabten Weberin Turdugul, die als Nomadin von einem Auftrag zum nächsten zieht und jeweils für einige Wochen Teil des Lebens ihrer Auftraggeber wird. Als Turdugul bei einem ihrer Aufträge den unglücklich verheirateten Hirten Kadyr kennenlernt, verlieben sie sich ineinander. Eine Begegnung, die Turdugul nicht vergessen kann. Jahrzehnte später bricht sie zu einer letzten Reise in die Vergangenheit auf.

Ein weiteres Highlight ist Giedrė Žickytės A GOODNIGHT KISS (LTU, EST, BUL 2025), eine Hommage an eine Humanistin. „Nimm niemals Rache”, waren die letzten Worte, die Irena Veisaitės Mutter an ihre Tochter richtete. Worte, die Irena Veisaitė ein Leben lang prägten. Im Film von Giedrė Žickytė erzählt die 2020 gestorbene litauische Kulturschaffende und Holocaust-Überlebende, wie sie trotz der schrecklichen Erfahrungen ihrer Jugend ihren Optimismus und ihr Mitgefühl bewahrte. Der Film feiert seine Deutschlandpremiere bei goEast.

Ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland wird der Dokumentarfilm THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025) von Iga Lis gezeigt, der 2025 das Krakauer Filmfestival eröffnete. Zwischen polnischem Ostseestrand und Touristenrummel regiert Miecia, die „Königin von Łeba“ seit vierzig Jahren. Ihre Fischräucherei ist zugleich Arbeitsplatz und Treffpunkt, aber auch ein überregional bekannter Tourismusmagnet. Mit Humor, Strenge und unerschütterlichen Qualitätsanforderungen führt sie ihr Team. Doch gesundheitliche Probleme zwingen Miecia zum Innehalten. Was bleibt von einem Leben, das ganz der Arbeit gehörte?

 

Akkreditierung   

Pressevertreter*innen können sich hier ab sofort für goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films akkreditieren. Während des Festivalzeitraums können akkreditierte Fachbesucher*innen und Pressevertreter*innen die Filme in Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Gießen und Frankfurt sichten und an den Vorträgen und Panels teilnehmen, zusätzlich erhalten sie Zugriff auf unsere Online-Mediathek mit einer Auswahl an Festivalfilmen.

Pressekonferenz

Die Pressekonferenz findet am Dienstag,  14. April, um 11 Uhr in der frisch sanierten Caligari FilmBühne statt. Alle Pressevertreter*innen sind willkommen, Anmeldungen erfolgen unter goEast-presse@dff.film.

Bildmaterial finden Sie in unserem Downloadbereich.

Das komplette Programm für die 26. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird Anfang April veröffentlicht.

 

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer und Partner sind die HessenFilm und Medien GmbH, die Landeshauptstadt Wiesbaden, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und das Polnische Institut Düsseldorf.

Hauptmedienpartner sind 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.