Wiesbaden/Frankfurt, 30. Januar 2026
Nach einem Vierteljahrhundert voller filmischer Inhalte aus Mittel- und Osteuropa heißt es vom 21. bis 27. April in Wiesbaden wieder: goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films, erstmalig unter der Leitung von Rebecca Heiler.
Alljährlich verwandelt das vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltete goEast Filmfestival die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden in einen der international wichtigsten Schauplätze für das Kino aus Mittel- und Osteuropa. Das Festival erreicht mit seinem aus Filmvorführungen und begleitenden Veranstaltungen bestehenden Programm nicht nur das regionale Publikum, sondern lockt bundesweit Communities mit osteuropäischer Migrationsgeschichte sowie Fachbesucher*innen aus der internationalen Filmbranche an. Auch dieses Jahr zeigt das Filmfestival aktuelles Kino aus Mittel- und Osteuropa und bietet – in einer geopolitisch weiterhin angespannten Lage – eine Plattform für gesellschaftspolitische Debatten. Besonderes Augenmerk legt das Festival als Projekt des DFF auf filmhistorische Programme wie das Symposium: In Zusammenarbeit mit Archiven im In- und Ausland macht goEast das Filmerbe aus Mittel- und Osteuropa sichtbar. In guter Tradition werden auch 2026 alle Reihen von qualifizierten Gastkurator*innen und Filmexpert*innen sorgfältig zusammengestellt. Im von Borjana Gaković kuratierten goEast-Symposium treffen Filmwissenschaft und Filmschaffende aufeinander. Im Wettbewerb wird aktuelle Filmkunst aus Mittel- und Osteuropa in Anwesenheit der Filmschaffenden gezeigt. Auch der Kurzfilm bekommt mit mehreren Programmen eine Bühne. Im East-West Talent Lab wird der Dokumentarfilmnachwuchs aus Mittel- und Osteuropa aktiv unterstützt.
Fokus auf: Revolution!
Nach drei Jahren experimenteller Programmarbeit unter dem Konzept des „Cinema Archipelago“ setzt goEast einen klaren thematischen Schwerpunkt: „Revolution!“. Das Motto prägt gleichzeitig die kommende Festivaledition und verbindet erstmals nahezu alle Sektionen unter einem gemeinsamen Fokus – davon ausgenommen sind der Internationale Wettbewerb und das East-West Talent Lab.
In sämtlichen anderen Programmbereichen – besonders im Symposium – werden Bezüge zum Thema Revolution deutlich. Mittel- und Osteuropa und auch der postsowjetische Raum sind seit Jahrzehnten von Protestbewegungen und politischen Umbrüchen geprägt, doch hat sich ein goEast-Symposium bislang noch nicht explizit diesem Themenkomplex gewidmet. Die Ausweitung des Fokus auf mehrere Programme setzt die in den vergangenen Jahren etablierte Tradition fort, sektionsübergreifende programmatische Linien im Begleitprogramm zu verfolgen.
Aber warum ausgerechnet „Revolution!“? Angesichts aktueller politischer Entwicklungen und anhaltender Protestbewegungen in Ländern wie Georgien, Ukraine, Serbien, Bulgarien oder Litauen beleuchtet goEast 2026 das Phänomen „Revolution“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Blick ist dabei auch die reiche Revolutionsgeschichte Mittel- und Osteuropas, angefangen bei der Befreiung des Balkans von der osmanischen Herrschaft über die Russische Revolution, Solidarność-Bewegung, Friedliche Revolution, Samtene Revolution, Orangene Revolution bis zur Revolution der Würde. –Wie ein Umsturzversuch oder eine vom Volk getragene Revolte interpretiert wird, hängt maßgeblich von ihrem Ausgang und der Perspektive der Betrachtenden ab. Schon jetzt darf man auf das qualitativ hochwertige Programm gespannt sein. Der Fokus wird durch die Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt.
Festivalmotiv, Visual Identity und Trailer von Zuza Banasińska
Revolutionen eint vieles: starke Emotionen, Mut, das Verlangen, Altes zurückzulassen und Neues zu wagen, aber auch Unsicherheit. Alles passiert sehr schnell, ohne dass klar wäre, was dabei herauskommt. Dieser Moment, der Schwebezustand zwischen Stillstand und Aufbruch ist das Leitbild des Festivalmotivs 2026.
Das Visual wurde von der polnischen Filmemacherin Zuza Banasińska gestaltet, die auch den goEast-Trailer realisieren wird. In ihrem Trailer spielt Banasińska mit dem Spannungsverhältnis von Stillstand und gleichzeitiger Bewegung der Zeit. Für ihren Film GRANDMAMAUNTSISTERCAT (NDL, POL 2024) erhielt sie 2025 den Rhein-Main-Kurzfilmpreis. Ihre Arbeit wurde auch außerhalb von goEast schon mehrfach international ausgezeichnet.
Die Umsetzung des Trailers wird durch die Kooperation mit dem Polnischen Institut Düsseldorf ermöglicht. Dadurch wird auch das nachfolgende Programm großzügig unterstützt.
Sto lat! Andrzej Wajda zum 100. Geburtstag
Der bedeutende polnische Regisseur Andrzej Wajda wäre im März 2026 100 Jahre alt geworden. Seine Biografie war vom Widerstand gegen Unterdrückung geprägt: Sein Vater wurde 1940 von sowjetischen Spezialeinheiten des NKWD in Katyn ermordet. Wajda selbst besuchte während der deutschen Besatzung Polens zeitweise eine Schule im Untergrund. Diese Erfahrungen und sein politisches Engagement spiegeln sich in vielen seiner Filme wider – und sprachen direkt zu den Menschen: MANN AUS EISEN wurde innerhalb von knapp fünf Monaten von mehr als fünf Millionen Besucher*innen in Polen gesehen, bevor der Film am 13. Dezember 1981 (Verhängung des Kriegszustandes durch die Kommunisten) verboten wurde. goEast widmet Andrzej Wajda anlässlich seines 100. Geburtstages ein Programm mit Filmen, in denen politischer Widerstand das zentrale Thema ist. Geplant sind Vorführungen der folgenden Werke: DER KANAL (POL 1957), MANN AUS EISEN (POL 1981) und DANTON (FRA/POL/DEU 1982).
Einreichfrist noch bis zum 24. Februar beim East-West Talent Lab
Das East-West Talent Lab, das vom 24. bis 27. April in Wiesbaden stattfindet, hat sich in der internationalen Filmbranche fest etabliert. East-West Talent Lab-Alumni wurden schon für den Europäischen Filmpreis nominiert, oder sind mit ihren Filmen Teil von großen Filmforen wie der Berlinale oder IDFA. Bei der sechzehnten Ausgabe des internationalen Koproduktionsforums „When East Meets West“ (WEMW) in Triest wurde gerade der beim East-West Talent Lab entstandene Dokumentarfilm SACRED SONGS (GEO 2026) ausgezeichnet.
Auch 2026 unterstützt goEast Nachwuchstalente aus Mittel- und Osteuropa, vernetzt sie untereinander und mit Filmschaffenden aus Hessen und ganz Deutschland. Der Schwerpunkt des Programms, seit Beginn begleitet von Andrea Wink, liegt erneut auf non-fiktionalen und dokumentarischen Formaten. Bis Dienstag, 24. Februar, können Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa ihre Projektideen in Entwicklung einreichen. Auch Produzent*innen ohne Projekt aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Deutschland können sich für die Teilnahme am East-West Talent Lab bewerben. 2026 werden erneut zwei Preise vergeben: Das mit 3.500 Euro dotierte Recherchestipendium für ein Dokumentarfilmprojekt zum Thema Menschen- und/oder Minderheitenrechte und der Pitch the Doc Preis, ein Training zur Unterstützung der Projektentwicklung (im Wert von 500 Euro). Die Teilnehmenden erwartet an vier Tagen ein volles Programm, bestehend aus einer Masterclass, Workshops, Vernetzungsmöglichkeiten mit Fernsehredaktionen und Förderanstalten sowie Filmvorführungen.
Bildmaterial finden Sie in unserem Downloadbereich.
Das komplette Programm für die 26. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird im März veröffentlicht.
goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer und Partner sind die HessenFilm und Medien GmbH, die Landeshauptstadt Wiesbaden, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und das Polnische Institut Düsseldorf.
Hauptmedienpartner sind 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.