Pressemitteilung

Zwischen Krimi, Komödie und Europa in der Krise

Das 16. goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films setzt auf Bewusstseinsbildung und kulturelle Kooperation

goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films lockt vom 20. bis 26. April wieder zahlreiche Filmfreunde nach Wiesbaden. Angesichts des aktuellen politischen Klimas in Europa setzt das vom Deutschen Filminstitut veranstaltete Festival in seiner 16. Ausgabe erneut seinen Schwerpunkt auf kulturelle Kooperation und verstärkt in diesem Zuge sein Engagement im Bereich menschenrechtlichen Filmemachens. Darüber hinaus gibt das Programm Einblicke in das Genrekino aus dem Osten und eine gewohnt vielfältige Auswahl der besten aktuellen Filmproduktionen der Region.

Kino mit eigener Handschrift: Der Spiel- und Dokumentarfilmwettbewerb

Kreativ, nicht selten kritisch und in jedem Fall besonders: Das zeichnet die 16 aktuellen Produktionen aus Mittel- und Osteuropa aus, die im Spiel- und Dokumentarfilmwettbewerb ins Rennen gehen. Die Auswahl reicht dabei von Autoren- über Arthouse- bis hin zu Genrefilmen, die alle ihre ganz eigene Handschrift tragen und zu den besten Produktionen der beiden vergangenen Jahre gehören. Die thematische Vielfalt ist groß, doch reflektieren die Filme überwiegend die Stimmung und den gesellschaftlichen Status quo ihrer jeweiligen Länder. Die zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilmproduktionen haben dabei die Chance auf drei hochdotierte Preise: den Preis für den Besten Film (10.000 Euro), den Preis für die Beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden (7.500 Euro) und den Preis des Auswärtigen Amtes für kulturelle Vielfalt (4.000 Euro), die alle von einer prominent besetzten, internationalen Jury vergeben werden. Ein Spielfilm hat darüber hinaus die Möglichkeit, von einer eigenen Jury der FIPRESCI mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet zu werden.
Angekoppelt an das Nachwuchsförderprojekt East-West Talent Lab findet auch erneut der Wettbewerb für Experimentalfilm und Videokunst statt. Junge KünstlerInnen und FilmemacherInnen aus Mittel- und Osteuropa sowie von hessischen Film- und Kunsthochschulen präsentieren dort ihre aktuellen Arbeiten und konkurrieren um den von der BHF-BANK-Stiftung ausgelobten Open Frame Award in Höhe von 5.000 Euro.

Ganz und gar Genre: Die Sektionen "Porträt" und "Symposium"

Polnisches Kultkino bietet das "Porträt" in diesem Jahr: Die Werkschau widmet sich Juliusz Machulski, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent einiger der erfolgreichsten polnischen Produktionen der vergangenen 35 Jahre. Mit ihrem gelungenen Balanceakt zwischen westlichem Genreduktus und einem bissigen, sozialkritischen Humor trafen die Filme des Absolventen der Lódzer Filmhochschule schon zur Zeit ihrer Kinostarts einen Nerv - heute gelten sie aus demselben Grund als Kult.
Ebenfalls dem Genrekino verschrieben hat sich das "Symposium": Mit dem Titel "Die im Schatten: Verbrechen und andere Alltäglichkeiten im mittel- und osteuropäischen Kriminalfilm ab 1945" widmet sich die Sektion der Deutschen liebstem Genre - nach osteuropäischer Machart - und zeigt hierzulande weitgehend unbekannte Spielarten des Kriminalfilms.
   

Gesellschaftspolitisch engagiert: Beyond Belonging und OPPOSE OTHERING!

Einen gesellschaftspolitischen Schwerpunkt setzt erneut "Beyond Belonging": Unter der Überschrift "Wir und sie? Vom Anderssein und Andersmachen" nähert sich die Sektion dem Phänomen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, dem sogenannten Othering. In einer Auswahl von Spiel- und Dokumentarfilmen, Medienarbeiten und Klassikern wird das Thema in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen - von subtilen Formen ethnischer Ausgrenzung bis zu gewalttätiger Homophobie - beleuchtet.
Mit diesem Thema knüpft "Beyond Belonging" an ein Pilotprojekt an, das goEast gemeinsam mit der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) ins Leben gerufen hat: OPPOSE OTHERING! Das Nachwuchsprojekt möchte jungen FilmemacherInnen aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa die Möglichkeit geben, sich in bilateralen Tandems mit dem gleichnamigen Phänomen filmisch auseinanderzusetzen. Workshops während der Festivalwoche bereiten sie dabei auf die gemeinsame Arbeit vor. Fünf der teilnehmenden Teams werden zudem zum Ende des Programms mit Produktionspreisgeldern in Höhe von jeweils 3.000 Euro ausgestattet.

 

Etablierte Nachwuchsförderung: East-West Talent Lab und Young Filmmakers for Peace

Damit organisiert das Festival inzwischen drei unterschiedliche Nachwuchsprojekte: Das neu gestartete OPPOSE OTHERING!, das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekt Young Filmmakers for Peace und das etablierte East-West Talent Lab. Bei Young Filmmakers for Peace kommen NachwuchsfilmemacherInnen aus den Konflikt- und Post-Konfliktregionen Osteuropas, aus der arabischen Welt und Deutschland zusammen, um sich gemeinsam zum Filmemachen über und in Konfliktzeiten auszutauschen.
Den Fokus auf Vernetzung, Austausch und professionelle Kernkompetenzen legt dagegen das East-West Talent Lab, das vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der BHF-BANK-Stiftung ermöglicht wird. Nachwuchstalente aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Deutschland (mit Schwerpunkt auf der Rhein-Main-Region) arbeiten hier gemeinsam Projektideen aus und stellen sie einer Fachjury vor. Der beste Pitch erhält den goEast Development Award in Höhe von 3.500 Euro.

goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom Deutschen Filminstitut veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt: Hauptförderer sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Landeshauptstadt Wiesbaden, die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ), der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Robert Bosch Stiftung, ŠKODA AUTO Deutschland, die BHF-BANK-Stiftung, die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, das Auswärtige Amt, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und Renovabis. Medienpartner sind u.a. 3sat, die FAZ, hr-iNFO und sensor.