Caligari , 29.03.2007, 20:00
Alpha, 30.03.2007, 14:00


Ķīlnieks / Die Geisel
Ein entführtes Flugzeug landet auf dem Rigaer Flughafen, ein Bauer entgeht einem vermeintlichen Mordanschlag und ein Kriminalbeamter dem Flammentod, die Teilnehmer eines Fahrradrennens geraten unter Dopingverdacht, ein Biathlet wird zum Scharfschützen und ein höchst fragwürdiges Songfestival endet im Chaos. Laila Pakalniņas Film ĶĪLNIEKS ist eine temporeiche Dekonstruktion des Thriller-Genres, in der sich ein bizarres Ereignis an das andere anschließt und letztlich alles mit allem zusammenhängt. Meisterhaft spielt die Regisseurin dabei mit den Erwartungen des Zuschauers, indem sie Nebensächlichkeiten mit Bedeutung auflädt und Spannung erzeugt, die ins Leere läuft, während zwischen all dem der alltägliche Wahnsinn der Menschheit hervorblitzt. Auch handwerklich geht Pakalniņa mit einer furiosen Kameraführung, langen, unkonventionellen Einstellungen und einer stark betonten Montage eigene Wege, durch die sie die sich immer mehr verstrickenden Handlungsstränge gekonnt miteinander verbindet. Seelenruhig sitzen der Kidnapper und seine siebenjährige Geisel im Bauch des belagerten Flugzeugs, denken sich Forderungen
aus und essen Schokolade, während die Menschen draußen rastlos undverwirrt ihren Tätigkeiten nachgehen und zur Lösung der Geiselkrise auf lettische Art schließlich die Nationalheiligtümer Songfestival und Biathlon zweckentfremden. Die „Wirklichkeit“ wird einer aufbereiteten Fernsehwelt
gegenübergestellt, die die Absurdität der Ereignisse durch ihre unkritische Ernsthaftigkeit erst recht hervorhebt. In den fulminanten Showdown werden sämtliche Protagonisten miteinbezogen, und endlich verfliegt auch der letzte mühsam aufrechterhaltene Anschein von Zivilisation. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Deutschlandpremiere.
Lettland / Estland / Slowenien 2006
74 min, 35mm, Farbe
REGIE
Laila Pakalniņa
BUCH
Laila Pakalniņa
KAMERA
Arko Okk
AUSSTATTUNG
Jurģis Krāsons
SCHNITT
Sandra Alksne
MUSIK
Andrijs Krenbergs
PRODUZENT
Laila Pakalniņa
Arko Okk
Igor Pediček
DARSTELLER
Branko Završan
Kristaps Mednis
Jēkabs Nākums
Ieva Puķe
Roberts Bēliņš
PRODUKTION
Hargla, Riga
CO-PRODUKTION
Acuba Film, Tallinn
Casablanca Film Production, Ljubljana
ZUR VERFÜGUNG GESTELLT VON
National Film Center of Latvia, Riga

LAILA PAKALNIŅA
Geboren am 4.6.1962 in Liepaja, Lettland.
Laila Pakalniņa studierte Fernsehjournalismus an der Universität Moskau und Filmregie an der VGIK, wo sie 1991 graduierte. Seit 1988 drehte sie vor allem Dokumentationen, die international große Anerkennung fanden, so erhielt PRĀMIS 1996 in Cannes den FIPRESCI-Preis. Auch ihr erster Spielfilm KURPE lief erfolgreich auf großen europäischen Festivals. Für PAPA GENA bekam sie 2002 den Preis der Kino-Jury in Oberhausen. ĶĪLNIEKS ist ihr dritter Spielfilm.
FILMOGRAFIE (AUSWAHL):
1994 Prāmis / The Ferry (Kurzdokumentarfilm)
1998 Kurpe / Der Schuh
2001 Papa Gena / Papa Gena (Kurzdokumentarfilm)
2003 Pitons / Die Python
2004 Leiputrija / Dream Land (Dokumentarfilm)
2004 Autobuss / The Bus (Dokumentarfilm)
2006 Ķīlnieks / Die Geisel

























