blogEast

blogEast ist ein Projekt von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films. Der Blog entstand während der ersten Corona-Welle in Europa als solidarisches Sprachrohr für Film-(kultur)schaffende aus allen Himmelsrichtungen. In den kommenden Wochen werden hier Blogbeiträge veröffentlicht, welche sowohl filmische als auch politische und soziale Facetten der heutigen Situation beleuchten, aber auch eine Möglichkeit der Ablenkung von der allgegenwärtigen Diskussion um Infektionszahlen und Impffortschritte bieten. blogEast wird durch das goEast Team betreut und begleitet das digitale Festival in Wiesbaden.

East-West Talent Lab

Dank des East-West Talent Lab, auch liebevoll die „goEast Talentschmiede" genannt, erhalten junge Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa Jahr für Jahr bei goEast die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und Gleichgesinnte aus Deutschland und den Nachbarländern zu treffen. Aufgrund der neuen virtuellen Realität sind die Teilnehmer:innen des East-West Talent Lab auf Online-Meetings beschränkt. Sie haben aber trotzdem die Gelegenheit, an mehreren Vorträgen, Schulungen und Diskussionen sowie an vielem Weiteren teilzunehmen. Lernt die jungen Nachwuchstalente kennen: Das goEast Team hat einige von ihnen im Vorfeld des Festivals interviewt und mit Ihnen über ihre Projekte, Zukunftspläne, Probleme und Erwartungen gesprochen ...

goEast: Könntet Ihr euch kurz vorstellen und uns etwas über das Projekt sagen, an dem Ihr gerade arbeitet?


Elvira Dulskaia
: Ich bin die Regisseurin von ICE CRACK, einem kurzen Coming-of-Age Drama über die Jugendliche Alex, die die einzige weibliche Spielerin in ihrem Ice Hockey Team ist.

Rozálie Brožková: Ich bin Produzentin an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag. ICE CRACK ist mein Abschlussprojekt und mein erstes Projekt, bei dem ich selbst die Produzentin bin.

Michaela Hošková: Ich komme aus der Slowakai und arbeite mit Roman Ďuriš zusammen an dem Film AS LONG AS I LIVE. Er behandelt die Geschichte unseres Freundes, dem 22-jährigen Dalibor, der in einem Haus voller Gewalt aufwuchs und als Jugendlicher obdachlos wurde und später im Gefängnis landete. Ein Jahr später begann er für den Zirkus zu arbeiten.

Roman Ďuriš: Aktuell arbeite ich mit Michaela zusammen an unserem Film AS LONG AS I LIVE. Mein Abschluss-Kurzfilm SOMETHING IS HAPPENING war für den Award in der Kategorie Kino von Morgen bei den 41. Internationalen Filmfestspielen von Kairo nominiert.

Ieva Šakalyté: Als junge Regisseurin nehme ich als Teilnehmerin beim EWTL mit meinem neuen fiktiven Kurzfilmprojekt teil, mit dem Titel SPA. Es ist eine Komödie über junge Frauen, sich bei einem Erholungsaufenthalt in einem Spa kennenlernen, wobei ihre Probleme sie in eine Menge komischer Situationen bringen.

Agnieszka Rostropowicz-Rutkowska: Ich bin mit meinem Dokumentarfilmprojekt in Zusammenarbeit mit Jaśmina Wójcik mit dem Titel KING MATT THE FIRST beim EWTL dabei. Es erzählt die Geschichte über zwei Schwestern, die mit den Zuschauer:innen die Welt aus den Augen kindlicher Fantasie teilen.

Yana Osman: Meine Mockumentary behandelt den Diskurs globaler Mauern in Form des PO-2-Zauns, der heutzutage 8% der postsowjetischen Länder bedeckt.

Yana Sadulaeva: Aktuell arbeite ich an einem Film über das Leben im Norden über das Sammeln und Angeln.

Tamar Magradze: Ursprünglich komme ich aus Tbilisi in Georgien, bin aber 2012 nach Berlin gezogen. Ich arbeite an einem kreativen Dokumentarfilm über die Geschichte der Gynäkologie und weibliche Fortpflanzungsrechte.

Olya Chernykh: Ich bin eine Filmemacherin aus Kiew und arbeite als freiberufliche Regisseurin und Kamerafrau. Mein Projekt heißt A PICTURE TO REMEMBER – es ist eine Geschichte über das Leben mit der alltäglichen Begegnung mit dem Tod und dem Kampf dagegen.

Jelica Jerinic: Ich arbeite an einem fiktiven Kurzfilm namens IMAGINARY NUMBERS. Er zeigt das Leben des jungen Mädchen Minja und ihres Vaters, die von ihrer kleinen Stadt nach Niš für Minjas ersten internationalen Wettbewerb in Mathematik reisen.

Svetlisav Dragomirović: Ich bin ein Regisseur aus Serbien und arbeite aktuell an einem Filmprojekt namens "I'M PEOPLE, I AM NOBODY". Das Projekt ist ein kreativer Dokumentarfilm, der die Welten der sexuellen Störungen sowie des sexuellen Missbrauchs erforscht.

goEast: In jeder Ausgabe hilft das EWTL jungen Filmemacher:innen aus verschiedenen Ländern, ihre Träume zu verwirklichen. Könntet Ihr uns etwas über Euer Heimatland und das Filmschaffen dort erzählen?

 
Roman Ďuriš: Ich komme aus der Slowakei und unsere aktuellen Filme sind hauptsächlich soziale Dramen, wobei es in den letzten fünf Jahren auch einen Boom bei der Produktion verschiedener Genres gab. Es wird sehr interessant zu sehen, wie erfolgreich die ganzen abgesagten Filmveröffentlichtungen in den Kinos nach der Pandemie sein werden.

Jelena Jerenic: Ich komme aus Serbien. Dort gab es einige Probleme in den letzten Jahren, das größte ist wohl die fehlende Unterstützung, sowohl bei Indie als auch kommerziellen Filmproduktionen. Gleichzeitig haben wir eine Überproduktion an Fernsehsendungen.

Agnieszka Rostropowicz-Rutkowska: Ich komme aus Polen, wo das Filmschaffen einen sehr hohen Standard hat. In den letzten Jahren hatten wir ein paar Nominierungen und Gewinner bei den Oscars oder dem Europäischen Film Award.

GOEAST: WO UND WIE HABT IHR VON EWTL ERFAHREN? GIBT ES EINEN FILM BEI GOEAST, AUF DEN IHR EUCH BESONDERS FREUT?

Yana Sadulaeva: Ich habe von goEast bei den sibirischen DOC & B2BDoc Laboratorium gehört. Ich werde auf jeden Fall HOLY FATHER von Andrei Dăscălescu ansehen.

Jelena Jerenic: goEast ist sehr bekannt in Serbien, ich denke jeder der dort in der Filmindustrie arbeitet kennt es. Das erste Mal habe ich vor ein paar Jahren von einem Freund, der beim EWTL teilgenommen hat, davon gehört. Ich werde alle Filme in diesem Jahr sehen, besonders freue ich mich auf PREPARATIONS TO BE TOGETHER FOR AN UNKOWN PERIOD OF TIME.

Svetlisav Dragomirović: Ich kenne goEast seit vielen Jahren und wollte schon immer mal einen meiner Filme hier zeigen. Das erste Mal Teil eines offiziellen Programms mit einem Projekt zu sein macht mich sehr glücklich. Ich würde gerne nächstes Jahr wieder kommen und einen fertigen Film präsentieren und beim deutschen Publikum eine Diskussion über ein Tabuthema entfachen.

goEast: Was waren Eure Erwartungen, als Ihr euch beim EWTL angemeldet habt?

 

Paul Hartmann: Es gibt nichts Schöneres als aus seiner hessischen Heimat heraus den internationalen Film zu feiern und ich hoffe, mit der Chance eines Online Festivals mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen, die sich sonst vielleicht nie auf den Weg nach Wiesbaden gemacht hätten.

Yana Osman: Ich möchte Menschen sehen, die alles anders machen als ich und von ihnen lernen.

Tamar Magradze: Meine Erwartungen an das EWTL sind es, junge Filmemacher:innen mit anderen Hintergründen kennenzulernen und meine Ideen mit Professionellen in der Filmbranche zu teilen, damit ich neue Erfahrungen sammeln und sich neue Kooperationen entwickeln können.

 

goEast: Was sind Eurer Meinung nach die größten Probleme, mit denen man als Filmemacher:in zu kämpfen hat?

Elvira Dulskaia: Das größte Problem für junge Filmemacher:innen ist es nicht die eigene Stimme zu verlieren in der lauten Welt des modernen Kinos. Wenn ich bedenke, wie viele Filme jedes Jahr produziert werden, wie viele Geschichten geschrieben und wie viele davon nicht genug Strahlkraft besitzen, um das Publikum zu erreichen, fühle ich mich selbst ein bisschen verloren.

Roman Ďuriš: Wahrscheinlich ist das größte Problem, Fonds und Produzenten von unseren Fähigkeiten zu überzeugen, damit wie genug Unterstützung bekommen, um die Projekte, die wir lieben und in die wir vertrauen, umzusetzen.

Tamar Magradze: Ich denke das größte Problem für junge Filmemacher:innen ist es, mit dem Finanzierungssystem klarzukommen. Künstlerische oder narrative Filme sind sehr schwer zu finanzieren, sodass ein Druck entsteht, der oft in Konflikt mit der eigenen Kreativität steht.

goEast: Hat COVID-19 Eure Arbeit beeinflusst? Und wann ja, inwiefern?

Virginia Martin: Wir wollten im April 2020 einen Dokumentarfilm in andalusischen Dörfern in Spanien drehen. Aus bekannten Gründen mussten wir kurz vor Drehstart den Dreh plötzlich absagen. Das war natürlich ein Schock für uns. Doch nach einer Weile des Stillstands beschlossen wir, uns von der Pandemie nicht lähmen zu lassen und stattdessen unser komplettes Konzept umzuwandeln, das wir dann in unser Region drehen konnten. Es wurde ein Tanzfilm, etwas völlig Neues für uns, eine Chance, in eine neue Welt einzutauchen – in die Welt des Flamencos.

Michaela Hošková: Unsere Dokumentarfilmprojekte wurden wegen Corona gestoppt. Wir sind nicht mehr in der Lage, uns mit den Protagonisten zu treffen, deshalb konnten wir diese Situation nicht wirklich in unsere Geschichte einbinden. Gleichzeitig hat die Pandemie uns sehr viel Zeit für unsere Entwicklung und Vorbereitung gegeben, unsere Gedanken zu sortieren und unsere Geduld zu testen.

Rozálie Brožková: Es hat mein gesamtes Denken geändert. Ich wollte vor der Pandemie nie etwas drehen, aber seit sie begonnen hat, habe ich eine starke Absicht entwickelt, nur progressive Stücke mit starken Themen zu produzieren.

goEast: Was ist dein persönliches Ziel für die Zukunft als Filmemacher:in?

Olga Chernyk: Ich wünsche mir eine neue visuelle Sprache zu finden, die es mir erlauben wird, neue kreative Sinne zu entwickeln und meine Geschichte in einer originellen und künstlerischen Weise zu erzählen.

Rozálie Brožková: Mein Wunsch ist es, nie etwas an meinen Projekten zu bereuen, aber mein Ziel ist es, jeden Schritt auf diesem Weg zu genießen und in der Lage zu sein, ein bisschen Unterhaltung, Wissen und Inspiration an das Publikum zu liefern.

Roman Ďuriš: Ich möchte Filme über die Fehler im System machen, die die Debatte anrühren und helfen diese Fehler zu korrigieren. Es mag etwas naiv klingen, aber ich weiß, welche Macht Filme haben können welche Verantwortung ich als Autor habe, dieses Medium für das große Ganze zu nutzen.

goEast: Während des EWTL werdet Ihr Grüne Soße zubereiten! Gibt es auch ein traditionell regionales Gericht aus Eurer Heimat?

Yana Osman: Ich liebe Syrniki. Es ist ein Gericht aus der belarussischen, russischen, ukrainischen und moldawischen Küche aus Quark und Mehl, gebraten in einer Pfanne mit heißem Öl. Syrniki kann mit Rosinen, Bananen, Karotten, getrockneten Aprikosen, Äpfel, Birnen oder Nüssen sein. Das Wort Syrniki klingt so ähnlich wie das Wort Käse auf Russisch, es ist aber überhaupt kein Käse darin.

Agnieszka Rostropowicz-Rutkowska: Die polnische Küche ist sehr komplex, sodass ich eine Menge guter Gerichte empfehlen könnte. Aber wofür Polen wohl am bekanntesten ist, sind die Pierogi. Diese können mit verschiedenen Dingen gefüllt sein - süß, salzig, fleischig – es gibt viele Möglichkeiten sie zuzubereiten.


Die Projekte im East-West Talent Lab werden am 26. April ab 10:00 Uhr im Project Market Pitch präsentiert. Eine Fachjury bewertet die Projekte und vergibt anschließend den auf 3.500 Euro dotierten goEast Development Award. Zusätzlich wird ein Projekt mit dem Renovabis-Recherchestipendium ausgezeichnet, das Dokumentarfilme mit Menschenrechtsthematik mit 3.500 Euro unterstützt.