PRESSEMITTEILUNG

Themenschwerpunkt: „Bleibt alles anders? – Die wilden Neunziger“ // „Paneuropäisches Picknick“: Literatur in der Nerobergbahn, Musikvideos und ukrainischer Hip-Hop von alyona alyona im Schlachthof// Eröffnungsfilm: GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA von Regisseurin und goEast Jury-Präsidentin Teona Strugar Mitevska // PresseAkkreditierung noch bis 29. März // goEast Pressekonferenz am 4. April

Themenschwerpunkt: „Bleibt alles anders? – Die wilden Neunziger"
Im November feiert Deutschland 30 Jahre Mauerfall – vor allem in der Hauptstadt sind entlang der „Route der Revolution" eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant. Das vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltete goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films macht bereits im Frühjahr diese Zeitenwende zum Thema – und lenkt den Blick über Berlin hinaus und weit hinein in den Osten.
Was bedeutete der Fall des Eisernen Vorhangs für die vormals sozialistischen Länder Europas? Wie schlug sich der Zusammenbruch eines ganzen politischen Systems und damit einhergehend die Etablierung einer neuen Ordnung in den Filmen der frühen 1990er Jahre nieder? Diese Fragen stellt die Film- und Gesprächsreihe „Bleibt alles anders? – Die wilden Neunziger", ein gemeinsames Projekt von goEast mit dem FilmFestival Cottbus, das gefördert wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Zu sehen sind Werke, die die Probleme einfacher Menschen in einer von Grund auf veränderten Welt beleuchten, wie Lucian Pintilies THE OAK (BALANTJA, Rumänien, Frankreich 1992) oder István Szabós SWEET EMMA, DEAR BÖBE (ÉDES EMMA, DRÁGA BÖBE, Ungarn, Deutschland 1991).
Daneben sind Filme zu sehen, die sich Themen widmen, die während des Sozialismus unverfilmbar schienen, wie Wojciech Marczewskis ESCAPE FROM „LIBERTY" CINEMA (UCIECZKA Z KINA „WOLNOŚĆ", Polen 1990). Die „wilden Neunziger" bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Euphorie über neu gewonnene Freiheiten und harter Realität der globalen Marktwirtschaft – nicht nur im Osten schauen viele Menschen heute, 30 Jahre später, zurück auf diese Zeit und fühlen sich mit ihren Biografien nicht repräsentiert oder übergangen. In dem interdisziplinären Panel „What went wrong in the nineties?" setzen sich Filmschaffende, Politik- und Geschichtswissenschaftler*innen sowie Journalist*innen mit diesem Themenkomplex auseinander.

„Paneuropäisches Picknick": Literatur in der Nerobergbahn // „Music Videos are back!" // alyona alyona im Schlachthof
Eine Friedensdemonstration von Künstler*innen und Aktivist*innen öffnete im Sommer 1989 für einige Stunden die österreichisch-ungarische Grenze, was rund 700 am Plattensee urlaubende DDR-Bürger*innen nutzten, um spontan in den Westen auszuwandern. An diesem Tag überwand Kunst Grenzen – dieses Ereignis feiert goEast mit seinem eigenen „Paneuropäischen Picknick". Neben einem echten Picknick, bei dem der Wiesbadener Schlossplatz zum Begegnungsort für internationale Festivalgäste, Kulturvereine des lokalen osteuropäischen Lebens und das Wiesbadener Publikum wird, stehen die Foto-Ausstellung „Eastern Fairy Tales" sowie eine literarische Fahrt mit der Nerobergbahn auf dem Programm: Der Schauspieler Ivan Shvedoff, bekannt aus der Serie Babylon Berlin, liest in deutscher, englischer und russischer Sprache aus dem Kult-Roman „Die Reise nach Petuschki" von Wenedikt Jerofejew. Im Geiste Jerofejews wird auf halber Strecke eine Wodkaverkostung angeboten.

Außerdem würdigt goEast mit dem Programm „Music Videos are back!" die kunstvolle Verbindung von Musik und Bewegtbild. Durch die Verbreitung über alternative Medienkanäle wie YouTube haben Musikvideos heute das Potenzial subversive, kritische oder politisch unbequeme Botschaften zu vermitteln und ein breites Publikum zu erreichen. In Ländern wie Russland und Ungarn, wo Medien und staatliche Kulturförderungen stärker reglementiert sind, erlebt der während der Krise der digitalisierten Musikindustrie fast schon zu Grabe getragene Videoclip eine Wiedergeburt. goEast zeigt zwölf Musikclips, darunter einen des Gothic-RapDuos IC3PEAK und des Rappers Husky, die in ihrer Heimat regelmäßig mit Auftrittsverboten oder sogar Arrest zu kämpfen haben. Auch die ukrainische Rapperin alyona alyona ist vertreten und wird bei einem Konzert den Schlachthof Wiesbaden mit fetten Beats und kritischen Texten zum Beben bringen. Die 27Jährige war bis vor Kurzem noch Erzieherin, bis sie mit ihren YouTube-Videos regelmäßig die 2-Millionen-Marke knackte, und gilt als die neue Hoffnung der ukrainischen Musikszene: Mit ihrem Flow, ihrer Attitude und so sozialkritischen wie selbstironischen Texten hat sie sich bereits eine große Fan-Gemeinde erobert – goEast freut sich, das erste Deutschlandkonzert des ukrainischen Hip-HopPhänomens zu präsentieren.

goEast Jury-Präsidentin Teona Strugar Mitevska // Eröffnungsfilm: GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA
Den Vorsitz der goEast Jury übernimmt in diesem Jahr die vielfach ausgezeichnete mazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska. Von ihr stammt auch der diesjährige Eröffnungsfilm GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA (GOSPOD POSTOI, IMETO I' E PETRUNIJA, Nordmazedonien, Belgien, Slowenien, Kroatien, Frankreich 2019), eine schwarze Komödie, in der eine junge Frau gegen eine patriarchalische Gesellschaftsordnung kämpft. Am Dreikönigstag wirft der Priester traditionell ein Kreuz in den Fluss und die jungen Männer der Stadt tauchen danach. Hals über Kopf stürzt sich Petrunya in die kalten Fluten und kommt mit dem Kreuz in der Hand wieder an die Oberfläche. Das sorgt für einen waschechten Skandal in der Kleinstadt. Auf der Berlinale wurde Mitevskas Film mit dem Preis der Ökumenischen Jury als bester Film im Wettbewerb ausgezeichnet.

Akkreditierung und Pressekonferenz
Pressevertreter*innen können sich noch bis zum 29. März für goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films akkreditieren unter www.filmfestival-goeast.de/de/presse/akkreditierung.php

Die Pressekonferenz zum 19. Jahrgang von goEast findet am 4. April um 11 Uhr in der Caligari FilmBühne statt. Um Anmeldung wird gebeten.

Fotos finden Sie in unserem Downloadbereich unter: www.filmfestival-goeast.de/de/presse/downloads.php

Das komplette Programm der 19. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird Anfang April veröffentlicht.

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer sind die Landeshauptstadt Wiesbaden, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, ŠKODA AUTO Deutschland, Renovabis, die BHF BANK Stiftung, die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, das Auswärtige Amt und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Medienpartner sind u.a. 3sat, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Deutschlandfunk Kultur.